Ein Tag im Juni

Endlich war der Sommer gekommen. Endlich war es draußen herrlich warm. Und darum konnte Martin an diesem Sonntag das Ende des Mittagessens kaum abwarten. Immer wieder schaute er nach draußen in den Sonnenschen. Dann war sein Teller leer.

"Jetzt kannst du in den Garten gehen!" sagte die Mutter. "Aber vorher ziehst du dich noch um. Ich gebe dir ein T- Shirt sowie Shorts; und Schuhe und Strümpfe kannst du ausziehen."

Ach wie freute sich Martin! Endlich durfte er mit leichter Sommerbekleidung und barfuß nach draußen gehen. Im Nu war er umgezogen. Dann sauste er die Treppe hinab, wobei bei jedem seiner Schritte ein leises Patschen zu hören war. Er öffnete die Haustür und trat ins Freie. Herrliche Wärme kam ihm entgegen. Er ging über Rasen, der das Haus von zwei Seiten umgab. Das Gras unter Martins bloßen Fußsohlen fühlte sich einfach herrlich an. Es war als würde er über einen weichen Teppich gehen.

Er kannte dieses schöne Gefühl schon vom Sommer des Vorjahres. Aber das erste Mal nach dem Winter wieder barfuß zu laufen, war heute für ihn ein besonderes Erlebnis. Er hüpfte geradezu über die Wiese geradewegs zum Sandkasten. Hier setzte er sich an den etwas erhöhten Rand und bohrte seine Zehen in den Sand. Durch die Sonne war dessen obere Schicht schon ziemlich abgetrocknet. Martin hob die Füße hoch und schaute und fühlte wie ihm dabei die Körner durch die Zehen rannen. Nun nahm er ein Schäufelchen zur Hand. Er baute einen ziemlich großen Sandberg, den er daraufhin aushöhlte. Danach spielte er Kuchenbacken. Und schon nach kurzer Zeit vergaß er dabei Raum und Zeit.

Im Anschluß daran spielte seine Mama mit ihm "Ballfangen". Martin genoß es in vollen Zügen, so über die Wiese zu toben. Als es langsam Abend wurde, sagte ihm seine Mama, es sei nun Zeit, hereinzukommen. Martin kam nach vorne zur Haustür. Da stand Mama mit einer großen wassergefüllten Schüssel. "Bevor du ins Haus darfst, musst du dir die Füße waschen. Ich helfe dir dabei!" sagte sie.

Martin sah an sich herunter. Ja, seine Füße waren noch mit etwas Sand bedeckt. Zwischen den Zehen waren einige Grashalme hängengeblieben. Und die Fußsohlen waren grünlich und bräunlich eingefärbt.

"Siehst du, das du deine Füße jetzt besser waschen solltest?" fragte die Mutter und lächelte. Martin nickte und stieg in die Schüssel, deren Wasser sich angenehm erfrischend anfühlte. Mit Seife und Waschlappen begann er zu schrubben. Seine Mutter half ihm dabei. Schließlich waren die Füße sauber. Er ging ins Haus. Es gab noch ein Abendessen. Dann war es Zeit, schlafenzugehen, da am nächsten Tag Schule war.

Die Mama sprach mit Martin, als er im Bett war, ein Abendgebet. Doch bevor sie Amen sagen konnte, fiel er ein mit den Worten: "Und ich danke dir, lieber Gott, das ich heute so einen schönen Tag hatte und im Garten barfuß laufen konnte. Amen"

Seine Mama lächelte und gab ihm einen Gutenachtkuss.

Martin ließ sich glücklich in die Kissen zurücksinken. "Und morgen laufe ich wieder barfuß" dachte er noch beim Einschlafen.

© Tom63