MORA MORA – vergessen in Madagaskar

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MORA MORA – vergessen in Madagaskar | story.one

Es ist zwei Uhr morgens. Fast pünktlich lande ich in Antananarivo. Das Visum wurde – für afrikanische Verhältnisse – schnell ausgestellt. Auch mein Gepäck ist komplett angekommen, alles läuft nach Plan. Ich habe eine Reise nach Madagaskar gebucht, tolle Fotos im Internet und schöne Mailings haben mir Hoffnung gemacht auf eine spannende und professionell organisierte Reise. Taxifahrer und Reiseleiter halten Schilder mit Namen in die Höhe und holen Neuankömmlinge ab. Meinen Namen sehe ich nirgends. Auch nicht den Namen des Reiseveranstalters.

Langsam leert sich der Flughafen. Nur ich stehe noch da. Mehrfach bin ich schon durch die gesamte Ankunftshalle gelaufen, habe auch im Außenbereich gesucht, aber keinen Menschen entdeckt, der mich abholen will. Dabei hatte der Reiseveranstalter doch im Vorfeld meine Abholung bestätigt. Ich gehe zu einem Informationsstand. Von dort lasse ich den Veranstalter ausrufen, auch mein Name hallt durch den Flughafen – ohne Wirkung. Alle Taxis sind nun auch schon weg. Mir scheint, dass der Flughafen gleich geschlossen wird. Nun ja, es ist mittlerweile auch bereits halb vier Uhr morgens.

Mora Mora – immer mit der Ruhe. So lautet das Motto der Madagassen. Mit professioneller Organisation hat dies leider weniger zu tun. Ich suche nach dem Namen des Hotels, das im Internet sehr schön aussah: Pool im Garten, nettes Restaurant, eben ein sauberes Mittelklassehotel laut Veranstalter. Die Dame am Informationsschalter ist sehr freundlich, sucht die Telefonnummer heraus und ruft für mich dort an. Ernüchternd dagegen ist die Antwort, dass dort keine Reservierung für mich vorliegt. Auch der Name des Veranstalters sei unbekannt, heißt es.

Mora Mora? So einfach ist das nun nicht mehr. Ich erfahre zumindest, dass in dem Hotel noch ein Einzelzimmer frei ist. Notgedrungen buche ich das. Nach einer längeren Fahrt mit dem zugleich gebuchten Taxi durch die Dunkelheit der afrikanischen Nacht erreiche ich das Hotel, das sich hinter hohen Mauern versteckt. Afrika eben. Erst nach mehrmaligem Hupen wird das große Stahltor geöffnet. An der Rezeption spricht man kein Deutsch, auch kein Englisch. Der Name meines Reiseveranstalters ist hier ebenso unbekannt wie der meines Reiseleiters.

Ich beziehe mein Zimmer. Mit einem sauberen Mittelklassehotel hat das wenig zu tun. Spinnen lauern an der Wand, und immer wieder schieben sich riesige Kakerlaken über den Boden – also doch kein Einzelzimmer… Egal, nach nun mehr als 24 Stunden auf den Beinen zählt für mich jetzt nichts mehr als ein paar Stunden Schlaf.

Am nächsten Morgen telefoniere ich mit dem Reiseveranstalter. Nach einigem Hin und Her stellt sich heraus, dass ich im richtigen Hotel bin, obwohl Realität und Beschreibung nicht wirklich zusammenpassen. Den Reiseveranstalter kennt man hier nur unter seinem Spitznamen. Das ist so richtig professionell! Und die Abholzeit 2:00 am und 2:00 pm (nachts und nachmittags) kann man schon mal verwechseln.

Mora Mora.

© Toni Grießbach 01.12.2019