Der Oboenspieler

In den Gassen der Stadt, manchmal auch auf offenen Plätzen, da steht ein dürrer Mann mit seiner Oboe und spielt die Titelmelodie des Paten. Es ist kein Zufall das ich ihn treffe, ich fahre mehrmals raus um ihn zu suchen. Von einem Gitaristen im Park erfahre ich wo er diesmal ungefähr zu finden sei, das die beiden sich kennen weiß ich schon, ich hab sie zusammen gesehen. Mir meinen Weg durch die Touristen bahnend halte ich also gezielt Ausschau nach ihm und versuche in der Ferne den Klang seines Instruments zu hören. Dieser Mann ist magisch, er spielt das Lied nicht einfach nur, er IST das Lied und ich bin süchtig nach seiner Erscheinung. Als ich ihn in der Menschenmasse ausmachen kann setze ich mich wie immer neben ihn, vergüte ihm sein Handwerk mit etwas Geld -und was noch wichtiger ist- meiner Aufmerksamkeit. Er und seine Musik dienen mir als Inspiration, unter allen Oboenspielern der Welt würde ich ihn erkennen. Er erkennt mich, ich erkenne ihn, nicht nur äußerlich sondern auch im Innersten und das ohne das wir je ein Wort gewechselt haben. Wir kommunizieren nur mit Blicken und Gesten und verstehen uns vermutlich besser als manche Gesprächspartner. Manchmal bring ich was zu trinken mit, eine Cola oder ein Bier, wobei ihm das Bier besser zu schmecken scheint. Während ich neben ihm sitze, barfuß am heißen Asphalt da denke ich jedes mal wieder, das wir ein gemeinsames Bild ergeben, wir verleihen einander Ausdruck der ohne dies Treffen nicht existent wäre.

Eines Tages, der fremde Freund musiziert am Domplatz. Abermals neben ihm, ein Buch, eine Vielzahl an von in Tinte getränkten Seiten, liegt zu unseren Füßen. Aufrecht stehend mit dem Feuerzeug eine -salopp formuliert- "Tschick" anzündend, macht es *klick* und wir blicken unverhofft in das Objektiv einer Kamera. Ich weiß nicht wer der Mensch war der dieses Photo, das Bild in meinem Kopf gemacht hat, doch er muss eine Vorahnung gehabt haben. Als ich 2 Wochen darauf den Gitaristen traf und ihn fragte wo der Oboenspieler zu finden sei, berichtete er mir mit betroffener Miene vom Ableben des Paten. Ich konnte es nicht glauben, meine Vorstellung des Zufalls wurde schwer erschüttert. War das Bild das Geschenk einer letzten Erinnerung an einen einsamen Mann den man sonst vergessen hätte oder besiegelte es sein Schicksal? Mich macht das gleichermaßen traurig und froh und zu wissen das irgendwo da draußen dieses Bild ist, tröstet.

© Traumweber