Der beste türkische Kaffee

Mein Vater und meine Mutter haben nicht aus Liebe geheiratet, ihre Ehepartner wurden von ihren Eltern ausgesucht. Meine Mutter war damals 15 und mein Vater 28 Jahre alt. Die ersten Jahre waren nicht einfach für beide, aber inzwischen sind sie ein starkes Duo!

„Wir haben die schwierigen Zeiten zuerst hinter uns gebracht und uns mit der Zeit lieben gelernt, bei den meisten anderen Paaren ist es eher umgekehrt“, sagt meine Mutter.

Aber diese arrangierte Ehe war ihnen eine Lehre und sie hatten sich versprochen, es bei ihren Kindern nicht so zu machen.

Als ich 17 Jahre alt war, kamen schon die ersten Anfragen von Eltern, die auf Brautschau für ihre heiratswilligen Söhne waren. Meine Eltern versprachen mir zwar, mich nie zu einer Ehe zu zwingen, aber sie sagten auch, dass sie aus Höflichkeit und Tradition diese „Brautschau-Besuche“ akzeptieren mussten.

Stellt euch vor, ihr seid gerade eine 18jährige junge Frau voller Tatendrang und großem Interesse an Emanzipation und Feminismus und dann steckt man in diesen “Brautschau-Situationen” und muss eine gute Miene zum bösen Spiel machen! Ich habe es gehasst, aber um den Ruf meiner Eltern willen, habe ich mitgemacht.

Das Szenario lief immer folgendermaßen ab: Eltern kommen mit ihrem Sohn und einigen engsten Verwandten zur Familie der jungen Frau und bitten offiziell um ihre Hand an. Währenddessen bereitet die junge Frau - in diesem Fall ich - türkischen Kaffee zu und serviert diesen den Gästen. Anhand der Schaumkrone des Kaffees erkennen die Gäste, ob sie eine gute Hausfrau ist oder nicht.

Es gab diesen für mich schon uralten und potthässlichen Mann in unserem Umfeld, der mir bei jeder Gelegenheit zu verstehen gab, dass er mich unbedingt heiraten will. Ich schätze, er war damals Mitte dreißig, einen Kopf kleiner als ich und hatte einen richtigen osmanischen Schnauzer … sicher nicht mein Fall! Ich hatte ihm mehrmals ganz klar gesagt, dass ich ihn sicher nicht heiraten werde. Trotzdem ließ er nicht locker und kam mit seiner Familie und bat um meine Hand.

„Ümit, mach’ uns doch einen guten Kaffee mit viel Schaum!“ sagte er mit einem Augenzwinkerer! Ich kam mir vor wie eine Kuh am Bazar, es fehlte nur noch, dass sie nachschauten, ob mein Gebiss und restlichen Körperteile auch den Wünschen entsprachen. Am liebsten hätte ich ihn angespuckt und wäre davongelaufen, aber da kam mir eine bessere Idee.

Ich ging in die Küche und bereitete meinen besten türkischen Kaffee vor und füllte die Kaffeetassen damit. "Na warte, dein Kaffee sollte ja ganz besonders viel Schaum haben!" dachte ich mir. Mit viel Genugtuung spuckte ich in seine Tasse und - voilà, es war eine wunderbare Schaumkrone!

Mit meinem breitesten Lächeln servierte ich ihm seinen Kaffee! Er machte einen Schluck und sagte:"Der Kaffee schmeckt hervorragend!“

Als sie gehen wollten, teilten ihnen meine Eltern mit, dass ich kein Interesse an einer Ehe habe. Dieses Mal verabschiedete ich ihn mit einem Augenzwinkern 😉

© Ümit Mares