Der Jackson Moment

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Der Jackson Moment | story.one

„Wir wünschen Dir alles Gute zu Deiner Volljährigkeit und schenken Dir zwei Konzertkarten Deiner Wahl, viel Spaß wünscht Dir Dein Bürgermeister Dr. Helmut Zilk!“

So oder so ähnlich war der Brief formuliert, den Anfang der 1990er jeder zum 18. Geburtstag von der Stadt Wien bekam.

Zur Auswahl standen zwei klassische Konzerte oder zwei Karten für MICHAEL JACKSON!

Die Entscheidung fiel mir ganz und gar nicht schwer, natürlich wollte ich zum Jackson Konzert! Zum einen, weil ich ein richtig großer Fan war und zum anderen, weil DAS mein erstes Open Air Konzert überhaupt sein würde! Es würde ein unvergessliches Erlebnis werden, das wusste ich schon vorab! Ich sag’s Euch meine Erwartungen wurden sogar noch getoppt, aber dazu noch später.

Meine Freundin Hilde war natürlich ganz aus dem Häuschen als ich sie fragte, ob sie mich begleiten wolle.

Endlich war der Tag gekommen, der 26. August 1992. Hilde und ich trafen uns schon um 6 Uhr früh vor dem Praterstadion, so hieß das Ernst-Happel-Stadion vor seiner Umbenennung. Wir wollten natürlich ganz weit vorne stehen. Als die Pforten geöffnet wurden, liefen wir los und schafften es tatsächlich in der ersten Reihe zu stehen. Nun mussten wir nur noch die gefühlte halbe Ewigkeit des Wartens überstehen. Aufs Klo gingen wir abwechselnd um ja nicht unsere grandiosen Plätze zu verlieren.

Und dann war es endlich soweit! Eine Rauchwolke erfüllte die gigantische Bühne und plötzlich stand er da, in seiner typischen Jackson Pose, in seinem goldglitzernden Outfit! Minutenlang bewegte er sich nicht und das Publikum war komplett außer sich! Ich war so überwältigt und kreischte mit allen anderen mit und konnte es nicht fassen, dass Michael Jackson, zu dessen Musik ich so leidenschaftlich gern tanzte, stand jetzt tatsächlich zum Greifen nah, keine drei Meter von mir entfernt. WOOOW!

Leider spielte der Kreislauf von Hilde nicht bis zum Schluss mit, es war ja auch ein heißer Sommertag und wir waren sicher dehydriert. Hilde wurde von der Security zum Erste-Hilfe-Zelt getragen. Ich war aber fest entschlossen bis zum Ende durchzuhalten. Ich sang bei jeder Nummer mit und war schwer beeindruckt von der großartigen Show und kam vom Staunen gar nicht raus! Und dann geschah das Unglaubliche, Michael stieg die Treppe runter, ging an der ersten Reihe vorbei und klatschte mit allen ein, auch mit MIR! Ich war komplett hin und weg und konnte es nicht glauben! Ich streckte meine Hand in die Höhe und wusste, ich würde diese Hand nie wieder waschen!

OK, das mit dem Nicht-Händewaschen hielt nicht lange, aber es war ein unvergesslicher Moment und ich bin der Stadt Wien so dankbar, dass sie mir diesen geschenkt hat.

© Ümit Mares 27.10.2019