Lehrreiche Jahre ...

Lange Zeit wusste ich nicht so genau, was ich beruflich machen sollte. Die bisherigen Jobs waren nicht wirklich erfüllend. Bis mir zufällig ein Inserat der Austrian Airlines in die Hände fiel!

Sie suchten Bodenpersonal für den Flughafen Wien. Das war meine Chance, dachte ich! Das internationale Flair, Menschen von allen Ecken und Enden der Erde, günstig herumzufliegen und die Welt ein Stück weit zu entdecken, überzeugten mich ganz schnell und schon war die Bewerbung abgeschickt!

Im Mai 1996 war es soweit, ausgestattet mit der roten Uniform, den passenden Schuhen und Tasche trat ich meinen Dienst an. Dank der Uniform musste ich in Zukunft auch keinen Gedanken mehr daran verschwenden, was ich denn heute anziehen sollte! Herrrrlich!

Ich liebte die Zeit bei Austrian Airlines, auch wenn wir es immer wieder mit verhaltensoriginellen Passagieren oder komischen Situationen zu tun hatten.

Einmal saß ich am Check-In, ein Passagier wollte einen Kübel einchecken, ich war noch neu und dachte mir nicht viel dabei, klebte das Etikett drauf und der Kübel fuhr weiter auf dem Laufband Richtung Flieger.

Keine zehn Minuten später bekam ich einen Anruf mit den Worten:“ Komm’ sofort runter in die Gepäckszentrale und nimm‘ Würschtln mit!“

Als ich unten ankam, verstand ich was er meinte!

In dem Kübel war Senf, der sich schön über alle Koffer des Fliegers verteilt hatte. Uups!

Ein anderes Mal rannte ein Passagier ganz nervös in der Check-In Halle auf und ab. Er war verärgert, dass alle Flieger aufgrund von dichtem Nebel verspätet waren. Wild herumfuchtelnd erklärte er meinen Kolleg*innen er müsse dringend nach London, ein Millionengeschäft stünde auf dem Spiel!

„Jo eh, aber Sicherheit geht nun mal vor!“ versuchten sie ihm klar zu machen.

Als Nächstes versuchte er sein Glück bei der Kollegin von British Airways und klagte nach Luft ringend erneut sein Leid. Aber sie blieb ganz ruhig und tippte ununterbrochen in ihre Tastatur, so wie man es aus diversen Filmszenen kennt. Dann blickte sie kurz zum nervösen Geschäftsmann und sagte:“ Look Sir, just look outside even the birds are walking!“

Alle brachen in lautes Gelächter aus nur nicht der besagte Herr, er schaute wie der sprichwörtliche Autobus.

Aber den Vogel schoss ich während der 40-Jahr-Feier der AUA ab. Alles war im großen Hangar vorbereitet. Meine Aufgabe war es einen der Ehrengäste zum Rednerpult zu begleiten. Auf der Bühne sollte ich den Satz vom Zettel, der dort schon auflag, vorlesen und anschließend das Wort meinem VIP übergeben, der neben mir stand.

Ich sah auf den Zettel und begann aufgeregt vorzulesen.

Plötzlich hörte ich mich „Urin stinkt“ sagen und wusste sofort, das konnte so nicht stimmen!!!

Einer jener Momente, wo man am liebsten auf der Stelle im Erdboden versinken möchte!

Mein VIP rettete mich aus der Situation, grinsend sagte er:“Ja, wo sie recht hat, hat sie recht, Urin stinkt!

Das Publikum klatschte und beim zweiten Anlauf sprach ich es richtig aus:

es war der Urinstinkt! :-)

© Ümit Mares