"Sei leise!"

  • 140
"Sei leise!" | story.one

Eigentlich hatte der Abend ja einen eher faden Beigeschmack - war es doch sozusagen die Verabschiedung eines guten Freundes, der sein zukünftiges Leben im sonnigen Kalifornien verbringt. Es sei ihm vergönnt, bietet er uns ja auch immer Asyl, sobald es einen von uns wieder einmal in die Staaten zieht.

Doch der Grund, warum mir diese Story würdig zum Teilen erscheint, folgt.

Nach einem gemütlichen Abendessen im "1.", verschlug es unsere Feiergruppe "aufn Gürtel" - um richtig ins Wiener Nachtleben zu starten. Das berühmte "B72" war Ziel unserer Tour. Dort angekommen liefen der ein oder andere Drink wie Honig unsere Rachen hinunter. So oder so ähnlich verlief der Rest des Abends, und einige unserer Gruppe verabschiedeten sich schon vorher, bis wir - die selbst ernannten "letzten Ritter der Tafelrunde" - uns ebenso auf den Weg nach Hause, oder zur nächsten erhofften U-Bahn machten.

Draußen angekommen begrüßten uns die allseits bekannte "Luftwatschn" und der riesige Hunger nach jedem guten "Damenspitzal". Glücklicherweise - wie wahrscheinlich die meisten wissen - befindet sich unmittelbar neben genanntem Etablissement eine namhafte Restaurant-Spezialität - *hust, hust - Product Placement Ende*.

Trotz des kurzen Weges dorthin erlebt man zu später Stunde doch so einige interessante Begebenheiten. Die Aufmerksamkeit unserer Truppe fiel sodann auf einen geparkten BMW 3 am Straßenrand. Durch eigenen Besitz fest von der Wirksamkeit und Funktionstüchtigkeit dieses Fahrzeugs überzeugt, prahlte mein Freund sogleich mit den Worten: "a Dreia!". Man muss hierbei erwähnen, dass diese Bezeichnung des Modells in unserer Gruppe seit jeher einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. So weit so gut gelaunt ging es weiter in erwähntes Restaurant, um sich eine Mitternachtsjause zu gönnen.

Nach gefühlten zwei Stunden Wartezeit fanden wir uns mit unseren exquisiten Speisen des "Schachtelwirts" im oberen Sitzbereich ein. Klarerweise war dieser zu später Stunde rar besetzt, es stieß jedoch tatsächlich noch eine weitere Gruppe von Jugendlichen dazu.

Gedankenverloren schlemmten wir Burger und Co. und lauschten nur mit halbem Ohr den Gesprächen am gegenüberliegenden Tisch. Dass es sich dabei um den, unter Jugendlichen oft verwendeten, "neuwienerischen Slang" handelte, war nicht zu überhören. Offenbar in der abendlichen Mahlzeit gestört, meldete sich einer der anderen Besucher zu Wort, aber widmete sich nach einem schlichten: "Sei leise!" seitens seiner Begleiter wieder seinem Essen. Diese Situation veranlasste unseren genannten Auswanderer jedoch scheinbar dazu, sich mit erneutem Ausrufen dieses Satzes auf amüsante Weise bemerkbar zu machen. Die andere Gruppe zog darauf mit verwirrtem Blick von dannen und wir verblieben mit ebenso ratlosem Gesichtsausdruck und einem Satz, der seither wie der "Dreia" ins Repertoire jedes unserer Treffen gehört.

© UnsichtbaresBootsmobil 17.10.2019