Der Schlüssel

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Kurz vor dem shutdown jagt mich ein Energieschub in den Baumarkt,zwei Zimmer brauchen neue Kleider.Creme sollen sie werden, in einem der beiden Räume eine graue Wand,die vorab ausgesuchten Farbmuster vergeß ich vorsorglich daheim.Egal,vor Ort neu gewählt,gekauft,nach haus gefahren,in den Keller getragen und die Motivation auch gleich dort gelagert

Zwei Wochen Isolation und ich hol sie wieder rauf,was soll ich sonst tun?Deckenfarbe hatte ich nicht gekauft,weil Mama hatte ja eh noch.Was hilft mir das jetzt?Sie kommt und stellt mir den Kübel kontaktlos vor die Tür.Nach Beendigung des Abdeck-irrsinns stell ich fest,Mama´s Farbe ist rot.Alle Möbel schon zusammengeschoben! Der Kübel is doch außen weiß,meint Mama ,kommt mit einem anderen Kübel wieder,stellt ihn vor die Tür..auch der is außen weiß,drinnen aber leider blau

Nach einer Nacht zwischen Abdeckfolien,durchforste ich willhaben und erstehe für eine Fahrt quer durch Wien und zwei Flaschen Wein, 60 Liter weiße Dispersion, Leiter raus,Decken flott erledigt! Im Wohnzimmer die erste Wand in creme und schnell wird klar, für´s zweite Zimmer wird´s ned reichen,aber weiß hab ich ja jetzt genug,Farbton selbst abmischen kein Problem,das zu helle Grau wird auch gleich dunkler gemacht,leider nicht genug gerührt,wirkt es an der Wand wie ein grauer Leopard

Aus viel Weiß und einer entglittenen Flasche Umbra wird ein seltsamer Fliederton,egal,den nehm ich jetzt auch,nicht noch eine Nacht zwischen Folien,zuletzt noch den Leoparden übermalt,den ganzen Abdeckscheiß gleich raus in die Tonne

fuck,wo ist der Schlüssel?Ausgesperrt statt eingesperrt denk ich zynisch.,was solls,ich ruf die Hausmeisterin.Sie fragt...host a leita?...ja, in der Wohnung! okay,host a fensta offn?...ja,aber nur gekippt...des paaßt! i kum glei!

Sie tut´s ,stellt trocken fest...ah jo,is wiaklich nua kippt...und ruft ihren Sohn an,keine fünf Minuten später wälzt sich eine Statur wie ein Bodyguard über die Wiese,bewaffnet mit Leiter und Besenstiel...mein fragender Blick bewegt ihn wohl zu der Aussage...des kriagn ma scho hin...ich bin beruhigt!Er knickt den metallenen Besenstiel in der Mitte wie nix,steigt auf die Leiter(ich wohn im Erdgeschoß)und fummelt mit dem Stecken durch´s gekippte Fenster,flucht ein paar mal ordinär und entriegelt tatsächlich den Fensterflügel daneben.ich bin sprachlos und überdenke meine Sicherheit

Trotz aller Sorgfallt,gibt´s reichlich Farbe dort wo sie mich in die Knie zwingt.Ich lass mich zwingen und beende den Tag ,schrubbend,auf allen Vieren,es wird dunkel,ich fall nur mehr in´s Bett

Bei Tageslicht betrachtet,bin ich trotz allem sehr zufrieden mit mir und meinen Händen,das Grau ist so wie ich es wollte,der seltsame Fliederton hat sich,wie auch immer,zu einem ganz hellen Grau mit zartem lila touch abgetrocknet,paßt super zu dem dunklen Grau!!!

Zum Schlüssel: ich konnte ihn auch drinnen nicht finden,er war die ganze Zeit in meinem Hosensack

© ursi