Der überforderte Saab

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Der überforderte Saab | story.one

Daß der Sommer in Südschweden spektakulär ist, lange Tage, weiße Strände auf Öland,spätes Abendrot mit Mücken,das besondere Licht, hab ich bereits erwähnt.

Dieses unglaublich klare Licht,daß alles bunter macht ,gibt es auch im Winter,lässt den Schnee,so er fiel,funkeln. Klimatisch unterscheidet sich Selbiger kaum vom Hiesigen,doch die Sonne zeigt sich öfter,die Chance auf weiße Weinachten ist höher, wenn sie es sind,entsteht ein märchenhaftes Winterwonderland

Südschweden is brettl eben,umso schöner war es,auf der Stiege des Hinterausgangs zu sitzen, der Sonne um 15.00 zuzusehen,wie sie weit in der Ferne versank ,eine Schnee bedeckte glitzernde Ebene bis zum scheinbar glühenden Horizont

Ich erinnere mich an ein Jahr, die schmale Landbrücke zu unserer Halbinsel war über einen Meter hoch zugeschneit. Ich fuhr damals einen von diesen alten Saab,die aussehen wie ein flach gedrückter VW Käfer,noch mit Lenkradschaltung in Kack Braun,schön war er nicht und mit den Schneemassen hoffnungslos überfordert.Kindische Freude über einen geschenkten arbeitsfreien Tag wurde vernichtet durch einen Mitarbeiter,der mich mit seinem beschaufelten Allrad abholen kam, die Schweden sind so hilfsbereit,yeah !!

Die schönsten Erinnerungen sind die an Weihnachten,meine Eltern endlich wieder zu sehen, gemeinsame Zeit, gemeinsame Vorbereitungen für das Fest waren mehr Wert als jedes Geschenk,daß man für Geld kaufen könnte.Für meine Kinder hielt ich das Mysterium Christkind so lang wie möglich aufrecht.In Wien schlief mein Sohn die Nacht vor Heiligabend immer bei Omi und Opi,der Christbaum,die Geschenke sollten wie ein Zauber erscheinen. In Schweden war das schwieriger. Im ersten Jahr boten meine Eltern an,mit ihrem Enkel das Haus zu verlassen um dem Christkind Zeit zu geben.Was Papa damals nicht wußte, ganz Schweden läßt am 24ten um 15.00 die Rollläden runter,also fuhren sie 3 Stunden durch die völlig menschenleere Gegend, über Landstraßen durch dunkle Nadelwälder,das einzige Licht der Mond und die Scheinwerfer

In einem Jahr verließ uns am 24ten der Strom,Herd und Backrohr nutzlos! Sämtliche Kachelöfen wurden befeuert,der alte Küchenherd mit Fichtenscheiten gefüllt und benutzt,Kerzen strategisch zur Beleuchtung platziert,es war warm,unbeschreiblich gemütlich,das ganze Haus roch nach Holzfeuer,die schönsten Weihnachten meines,unseres Lebens !

Es war dasselbe Jahr,als unser Christbaum,Dank einer Wunderkerze, beinah in Flammen aufging, wir andächtig davor stehend. Ein rasch geschwungener Polster verhinderte das Schlimmste,die von Omi für ihre kleine Enkelin gestrickte Trachtenweste kam mit Schmauchspuren davon. Während des ganzen Chaos stand das eineinhalbjährige Zwergerl hinter dem Baum und stopfte entspannt Schokoladeanhänger in ihren Mund

Es war das letzte Jahr der Wunderkerzen...was wir damals noch nicht wußten,auch die letzten Weihnachten in Schweden...magisch und unvergessen !!

© ursi