Wie ich das Auto Vanessa 2 manifestierte

Für ein Jahr Australien brauche ich einen günstigen, verlässlichen Van. "Günstig" finde ich nur vor Ort. Und es muß schnell gehen. Ansonsten droht ein gelangweiltes Herumhängen in der Stadt. Oder hohe Mietwagenpreise. Beides Stress. So bin ich - kaum gelandet - von dem Gedanken besessen, den passenden Van zu finden.

Unzählige Van-Angebote prangen am schwarzen Brett des Hostels. Gleich verabrede ich mich mit einem deutschen Pärchen, die einem Mitsubishi verkaufen, ein nettes Auto, alles drin fürs Outback, doch leider innen schwarz gestrichen. Kommt nicht in Frage.

O.k., was will ich genau? Ich trete einen Schritt zurück und schaue nach innen: Was genau ist das Bedeutungsvollste an meinem Van? Was kennzeichnet ihn? Wie sieht er aus?

Sofort ist glasklar: Das Wichtigste ist ein guter Platz für meine, schon weit gereiste Schamanen-Trommel, mein wichtigstes Arbeitsmittel, das ich aus Deutschland mitgebracht habe. Dafür vibriert mein Körper am stärksten. Ich bin etwas irritiert: Das ist alles? Ja, es bleibt dabei. Der Van besitzt einen geschützten Schlafplatz für die Trommel. Alles andere verbirgt sich im Nebel der Nachrangigkeit.

Nun gut. Wenn dem so ist, was liegt näher als die Trommel in die Suche einzubinden? Gedacht, getan. Ich spreche mit der Trommel über den Van und bitte sie, mir bei der Suche zu helfen.

Am nächsten Tag durchstöbere ich das Internet. Mit etwa 10 Van-Anbietenden nehme ich per E-mail Kontakt auf. Etwas Unerklärliches geschieht: Obwohl Anmeldung, Login und das Senden der Emails bestätigt wurden, erhalte ich keine einzige Antwort. Ich bin verwundert, aber nicht wirklich überrascht. Bereits während des Schreibens war mir der Gedanke durch den Kopf geflogen: Ich könnte das auch lassen.

Eine weitere abweisende Begebenheit folgt: Ich rufe eine Bekannte an, von der ich eingeladen wurde. Eine Frauenstimme sagt, dass sie jetzt nicht telefonieren könne, dann geht ein Mann ans Telefon, nuschelt unverständlich und legt auf. Ich verstehe. Offenbar gibt es hier ein Stopp-Schild.

In einer Woche werde ich im 200 km entfernten Bunbury als Volunteer mit wilden Delfinen arbeiten. Nach meinen bisherigen Recherchen wird dort gerade kein Van angeboten. Macht nichts, denn ich bin sicher: Hier geht’s nicht weiter. Ich nehme den nächsten Bus nach Bunbury,

Kaum im Hostel einquartiert, geht der Blick ins Internet. Simsalabim, Irgendwie lande ich auf einer anderen Plattform und siehe da: "Mein Van! Das ist mein Van!" Ich sehe ein Bild und weiß es sofort. Aufgeregt greife ich zum Handy. Der Verkäufer schickt jemanden, um mich abzuholen.

Ich sehe den Van live. Er ist es! Oder besser: Sie! Es ist meine Vanessa 2, und sie gefällt mir wie auf dem Foto und kostet exakt die Summe, die ich zur Verfügung habe.

Ich klettere hinein. Über der Fahrkabine entdecke ich einen halboffenen Kasten, samtig ausgepolstert und in der Größe genau richtig für meine Trommel. Sie wird darin liegen wie in einem Nest. Gut gemacht! Alles klar. DANKE!

© Ursula Luisa Rieger