Wie ich meine Lebensthemen entdeckte

… an einem verregneten Wochenende.

Lebensthemen zu finden ist wie eine spielerische Schatzsuche, leicht und überaus nützlich. Der Schatz besteht aus Werten, aus dem Wissen, was lebenslang für mich von Bedeutung ist. Die persönlichen Werte wirken wie Laternen auf dem Weg und führen in ein erfülltes Leben. Der Schatz der Lebensthemen ist wie formbares Gold in den Händen, mit dem ich mein künftiges Tun sinnvoll gestalten kann, besonders im Ruhestand.

Doch wie das mit Schätzen so ist: Ein Drache bewacht ihn. Er verkörpert behindernde Überzeugungen. Anders als der Drache in den Sagen, muss dieser Drache nicht bekämpft werden, denn er lässt sich nicht töten. Er löst sich transformierend in Rauch auf, sobald er gezwungen ist, mit der richtigen Frage sein Geheimnis auszuspucken.

Ich brauchte etliche Monate, um die Drachen-Frage zu finden. Sie lautet: Wie ist ein Ereignis geistig-seelisch gespeichert?

Die Antwort: Ein Ereignis ist geistig-seelisch NICHT chronologisch gespeichert!

Das Gehirn speichert chronologisch. Und das ist gut so. Wir brauchen die Kontinuität für unser Selbstverständnis. Doch für Geist und Seele spielt die Zeit keine Rolle. Sondern? Bedeutung und Intensität sind die geistig-seelischen Kriterien.

Das bietet mir die erstaunliche Möglichkeit, ein Ereignis als solches zu betrachten, ohne Kontext, einfach so, wie es geistig-seelisch, nämlich als inneres Bild in mir lebt - und damit zeigt, was es für mich bedeutet, einen meiner Werte. Einfach und großartig! Fokussiere ich auf die gespeicherte Bedeutung, ohne den Kontext des Ereignisses zu berücksichtigen, erfahre ich den für mich gültigen geistig-seelischen Wert. Bingo! Der Drache löst sich in Rauch auf.

Ein Ereignis, das ich erlebe, nehme nur ich auf meine persönliche Weise wahr. Ein Ereignis ist so, wie ich es erinnere. Es gibt keine falsche Erinnerung. Es gibt nur die tausendfache innere Wahrheit jeder beteiligten Person.

Der Weg zum Schatz ist frei. Ich liege auf dem Sofa und entdecke meine Lebensthemen:

Ich denke ein Stichwort, z.B. Grundschule, Person xy, Situation xy, o.ä.

Ich schaue auf das innere Bild oder die Szene, die sich zu diesem Stichwort öffnet. Das erste Bild ist das wichtigste.

Ich intensiviere das Gefühl.

Ich frage in das Bild hinein: Was bedeutet das? Welche Bedeutung hat …? Und warte auf einen inneren Impuls.

Alle Beobachtungen und Antworten - Stichwort, Bild, Gefühl, Bedeutung - schreibe ich in eine Liste oder in ein Mindmap. So sehe ich übersichtlich, welche Themen sich in meinem Leben häufen, welches meine höchsten Werte sind und was mich erfüllt.

Wann immer ich dazu Lust habe, kann ich mit den Impressionen auf vielfältige Weise kreativ spielen.

© Ursula Luisa Rieger