Wie ich meine Lebensthemen entdeckte

… in zwei Tagen, an einem verregneten Wochenende.

Lebensthemen zu finden ist wie eine spielerische Schatzsuche, leicht und überaus nützlich. Der Schatz birgt Kraft-Wissen in Form von Werten. Ich weiß, was lebenslang für mich von Bedeutung ist. Ich kenne meine persönlichen Werte. Sie wirken wie ein Laterne auf dem Weg und führen in ein erfülltes Leben. Der Schatz der Lebensthemen ist wie formbares Gold in den Händen, mit dem ich mein künftiges Tun sinnvoll gestalten kann, besonders im Ruhestand.

Doch wie das mit Schätzen so ist: Es gibt eine Hürde. Ein Drache bewacht ihn. Er verkörpert eine behindernde Überzeugung. Dieser Drache muss nicht bekämpft werden. Er lässt sich nicht töten. Er löste sich transformierend in Rauch auf, sobald er gezwungen ist, mit der richtigen Frage sein Geheimnis auszuspucken.

Ich brauchte etliche Monate, um die Frage zu finden, die mir ermöglichte, in zwei Tagen eine Art „Sinn-Biografie“ zu erstellen. Sie lautet: Was ist ein Ereignis?

Eine echte Drachenfrage. Denn die meisten Menschen tun zweierlei: Sie pflanzen ein Ereignis in einen zeitlichen Zusammenhang mit vielen beteiligten Komponenten. Und sie sind gefangen in dem Glauben, ein Ereignis sei objektiv.

Diese zweiteilige Antwort löst den Drachen in Rauch auf:

Erstens: Kein Ereignis ist objektiv. Ein Ereignis wird wahrgenommen und auf einzigartig individuelle Weise gespeichert. Das Ereignis ist so, wie ich es erinnere. Es gibt keine falsche Erinnerung. Es gibt nur die tausendfache innere Wahrheit jeder beteiligten Person.

Zweitens: Ich speichere nicht nur chronologisch, sondern auf zeitlose Weise auch geistig-seelisch. Dabei ist das Kriterium nicht die Zeit, sondern Bedeutung und Intensität. Das heißt: Fokussiere ich auf die gespeicherte Bedeutung, ohne über den Kontext des Ereignisses nachzudenken, erfahre ich den für mich gültigen geistig-seelischen Wert.

Der Weg zum Schatz ist frei. Ich liege auf dem Sofa und entdecke meine Lebensthemen:

Ich denke ein Stichwort, z.B. Grundschule, Person xy, Situation xy, o.ä.

Ich schaue auf das innere Bild oder die Szene, die sich zu diesem Stichwort öffnet. Das erste Bild ist das wichtigste.

Ich intensiviere das Gefühl.

Ich frage in das Bild hinein: Was bedeutet das? Welche Bedeutung hat …? Und warte auf einen inneren Impuls.

Alle Beobachtungen und Antworten - Stichwort, Bild, Gefühl, Bedeutung - schreibe ich in eine Liste oder ein Mindmap. So sehe ich übersichtlich, welche Themen sich in meinem Leben häufen, welches meine höchsten Werte sind und was mich erfüllt.

Und natürlich lässt sich mit den Impressionen auf vielfältige Weise kreativ spielen.

© Ursula Luisa Rieger