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Vertrauen und Enttäuschung

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Vertrauen und Enttäuschung | story.one

Wohl dem, der einen Menschen hat, dem er mit Recht und ohne Einschränkung vertrauen kann!

Wie befreiend ist es, sein Misstrauen ablegen zu dürfen und darauf zu vertrauen, dass der andere unser Vertrauen nicht missbrauchen wird!

Misstrauen ist das Gegenteil, und wir werden aufgrund unserer gemachten Erfahrungen immer misstrauischer, je älter wir werden. Ein Kind ist vertrauensselig, es kennt noch keine Vorsicht und kein Misstrauen. Beides lernt es mit den Jahren und Erfahrungen, die es macht. Und irgendwann ist das Kind erwachsen geworden und vertraut nur mehr selten. So ist es uns allen gegangen. Manche Menschen misstrauen nahezu allen anderen Menschen. Damit aber verderben sie sich jede Lebensfreude.

Ich persönlich gebe lieber einmal einen Vertrauensvorschuss zu viel und werde enttäuscht, als hinter jedem und allem Übles zu wittern.

Wie vielen Menschen haben wir im Laufe unseres Lebens rückhaltlos vertraut? Vermutlich wenigen. Und doch ist Vertrauen etwas Großartiges, so groß wie die Liebe. Denn Liebe ohne Vertrauen ist undenkbar und Vertrauen an sich ist schon eine Form von Liebe, es ist wie der Schlüssel zum Herzen. Und darum kann einem Menschen kein größeres Geschenk gemacht werden, als dass ihm ein anderer sein Vertrauen schenkt.

Behandeln wir das geschenkte Schlüsselchen zum Herzen wie ein sehr kostbares Kristallglas, das man auch nicht im Geschirrspüler zusammen mit dreckigen Töpfen wäscht. Vertrauen ist genauso zerbrechlich und braucht auch sanfte Pflege. Ist es nämlich einmal angeknackst oder gar zerstört, dann wird man es nie wieder völlig aufbauen können. Es wird immer ein Stachel bleiben, der uns daran erinnert, dass wir bei dem betreffenden Menschen doch lieber etwas vorsichtiger sein sollten.

Wenn man sein Vertrauen einem anderen Menschen schenkt, liefert man sich diesem Menschen freiwillig und bewusst aus und gerät ihm gegenüber dadurch in eine schwache Position. Man wird sehr verwundbar. Wir nehmen zwar an, dass er unsere Schwäche nicht ausnutzen und keinen Vertrauensbruch begehen wird, aber wie oft fühlten wir uns nicht schon enttäuscht?

Dabei gäbe es eigentlich im wahrsten Sinne des Wortes selten einen Grund traurig zu sein, denn bevor wir enttäuscht wurden, gab es eine Täuschung, und diese Täuschung wird irgendwann sichtbar, aufgedeckt – ent-täuscht. Wir haben uns Illusionen gemacht.

Meistens sind wir von einem Menschen enttäuscht, von seinem Verhalten oder auch von einer Entwicklung. Manchmal sogar von uns selbst, weil wir uns in einer bestimmten Situation anders verhalten haben, als wir angenommen hatten. Dann haben wir zu hohe Erwartungen gehabt. Und nun erkennen wir, dass wir uns getäuscht haben.

Freundschaften gehen daran zugrunde, und sogar Liebe stirbt durch wiederholte Enttäuschung.

Vielleicht wäre es manchmal besser, wenn wir die Wahrheit nicht erfahren würden. Schon mancher hat es nachher bereut, allzu neugierig nachgeforscht zu haben.

© Ute Eppich 16.09.2020

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