„Scheiterknian und Schläge“

Wir alle wissen von Erzählungen und Geschichten unserer Vorfahren, dass es in der Vergangenheit nicht gerade leicht war. Zum Glück haben wir es heute nicht mehr so schwer. Ich habe meinen Vater zum Leben meiner bereits verstorbenen Großmutter, die jetzt 78 Jahre alt wäre, befragt und einiges Interessantes erzählt bekommen.

Meine Oma Antonia L., wurde am 10. April als Tochter von Maria und Valentin P. geboren. Ihr ganzes Leben spielte sich in ihrem Elternhaus in St. Stefan an der Gail, in der Nähe der italienischen Staatsgrenze ab. Sie war ein Einzelkind, was zu dieser Zeit sehr selten war, da jede Familie im Ort mindestens 3 Kinder hatte. Trotzdem verbrachte sie ihre Kindheit mit der „Schieg- Tante“, wie sie genannt wurde, da sie nur 2 Jahre älter war als meine Oma. Ihre frühen Jahre waren trotz dem Krieg, der nur ein Jahr vor ihrer Geburt angefangen hatte, eher unbeschwert. Von den englischen Soldaten, welche unsere Gemeinde besetzt hatten, bekam sie immer Schokolade. Die Schule war nicht sehr weit entfernt, aber die Schulklasse hatte insgesamt 32 Kinder, die auch immer wieder „Scheiterknian“ mussten und mit dem Lehrerstock auf die Handknöchel Schläge bekamen.

Zuhause wurde alles gegessen, was auf den Tisch kam, und wenn ein Stück Vieh geschlachtet wurde, meistens die „Foken“ im Winter, wurde von diesem Tier auch alles verwertet. Das Schlachten dauerte aber meistens um die zwei Wochen, da die alten Leute nicht sehr auf Zack waren, wie sie immer sagte.

Da alles verwertet wurde kann man daraus schließen, dass auch sehr sparsam mit dem Geld umgegangen wurde. Ein Beispiel: Mein Opa Ludwig, der bei der ÖBB am Verschiebebahnhof in Villach arbeitete, wollte nicht, dass wir eine neue Ausmistmaschine bekamen, wo doch alle im Ort eine hatten. Trotzdem hatten sie gute Einnahmen, da sie zuhause ein Gästehaus hatten. Das Geld wurde jedoch für ein Auto später aufgespart.

Die Familie meiner Vorfahren war sehr groß und ist es heute noch immer. Anders als meine Oma hatte mein Opa 8 Geschwister.

Insgesamt hatte meine Großmutter ein recht schönes Leben.

© ValentinaL