Afterwedding bei den Kriminesern

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Afterwedding bei den Kriminesern | story.one

Es traf mich wie ein Vorschlaghammer – wenn ich absolut nichts mehr wusste – dann konnte ja auch ich Franz … ja erstochen haben…aber warum, ich hatte kein Motiv. Er war mir so egal wie wenn in China kein Rad umfällt. Es wurde mir die Aussage von Alfredo vorgelegt, ich hätte den Tisch um 23.30 verlassen und wäre nie wieder an meinen Platz zurückgekehrt. Er hätte mich im Garten gesehen… O Gott, der Garten – Nasti, die alternde Braut mit dem nackten Arschmann und ich meine nicht der Gatte, fiel mir wieder ein – aber sonst war es zappenduster in meiner Erinnerung.

Der Wodkaarm kam mir noch in den Sinn, aber nur ein Männerarm mit peinlich goldenem Siegelring war wohl noch kein Alibi? Der Muttermalmann formulierte locker – ohne Alibi sollten sie in nächster Zeit kein Reisefieber bekommen, … schluck. Eigenartig fanden sie, dass die Braut alias Witwe ihren frischangetrauten Mann nicht vermisst hat, sondern offensichtlich alleine, also jedenfalls ohne ihn nach Hause gefahren war. Erst am nächsten Tag hat sie ihn zufällig beim Abholen der Geschenke gefunden, das ist doch sehr eigenartig, finden sie nicht auch? Also ja, … vor meinem geistigen Auge erschien wie auf Knopfdruck die Buschszene, aber das konnte ich ja nun wirklich nicht preisgeben. Sie ist doch ihre beste Freundin sagte der Kollege – war das eine Liebesheirat oder? Na Moment mal, weder bin ich ihre beste Freundin, noch ihre Pressesprecherin und schon gar nicht die Pressesprecherin vom lieben Gott, ich gehe davon aus das auch Liebe im Spiel war, antwortete ich. Schweigen, Angriff ist die beste Verteidigung – sind sie verheiratet meine Herren? Ja klar. Und haben sie beide aus Liebe geheiratet? Sitzt, passt, hat Luft – keine weiteren Fragen mehr.

Es wurden mir Fotos gezeigt, ich stand mit Franzi plaudernd alleine in einer Ecke – das war um 00.30, um 2.00 zeigte ein Foto meinen leblosen Körper schlafend auf einer Gartenbank… Verlassen sie die Stadt nicht und halten sie sich zu unserer Verfügung – sie behandelten mich jetzt wie den letzten Dreck. Eine nicht mehr ganz junge Frau, versoffen, mit Erinnerungslücken – größer als der Grand Canyon.

Es war nicht das erste Mal, dass ich ab einem gewissen Zeitpunkt des Abends gar nichts mehr wusste, ich habe es immer als lustig abgetan und meinen Schutzengeln gedankt, dass mir nichts passiert ist. Aber jetzt – so konnte es nicht weitergehen mit mir, wie konnte ich Verantwortung für mich übernehmen, wenn… Also wenn das Alles vorbei war, also dann wollte ich meine Idee weiterspinnen in ein anderes Land auszuwandern, dort kennt keiner meine Vorgeschichte, dort habe ich keinen Stempel, dort kann ich echt bei Null anfangen. Dort kann ich so wie irgendwann in frühester Jugend mich zur Marke machen, statt das Image einer Marke „kaufen“ zu wollen.

© Valerie Vonroe 06.04.2020