Lepschiabend international

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Lepschiabend international | story.one

Traudi knallte ihr Handy auf den Tisch, bei der Lautstärke konnte es sich wohl nur um eine neuerliche Fotoorgie ihrer heimischen Glücksoase handeln mit der sie uns beglücken wollte. Hansi in der Küche, Hansi im 15m2 Eigengarten, Hansi vor seinem Moped – da ist man in der Stadt so wendig – na jedenfalls wendiger als ganz ohne fahrbaren Untersatz. Hansi war gelernter Koch, war in den besten Häusern in Dschibuti tätig, jetzt allerdings Herdlos, also außer dem von Traudi. Seinen Mietanteil und was auch immer man sich von einem Mann finanziell erwarten könnte, Hansi arbeitete es in Form von Kochen, Hausarbeit, Botendienste und Nachhausefahrer ab. Olla die Waldfee, was für ein Mann, was für ein Leben! …… Stadtlau machts möglich.

Vroni, der zweite Single in der Runde berichtete von ihrem aktuellen AMS-Kurs, sie hatte schon eine stattliche Anzahl an Kursen absolviert, auch mehrmals. Aktuell belegte sie den Kurs - Deutsch für Anfänger - ich nahm einen sehr kräftigen Zug meines Gin Tonic. Blicke sagen mehr als tausend Worte, es waren viele große Fragezeichen. Sie die im breitesten Wiener Dialekt parlieren konnte, die Meisterin des Meidlinger-L in einem Deutschkurs? Ihrem AMS-Berater war es egal, Hauptsache sie schien nicht in der Arbeitslosenstatistik auf und sie sah es als gebührenfreie Chance in einer unverbrauchten Dating Plattform einzutauchen. Männer, jung, frei und frauenhungrig mit traumatisierten Schicksalen, die es von weit hergeschafft hatten, unverbraucht, neugierig – ja und sicher noch einiges mehr. Impala hatte schon mehrmals bei ihr genächtigt, weil Frauenbesuch im Asylantenheim war untersagt. Auch sie hatte Fotos, er mit seinem kleinen Rucksackerl vor der Aida, wo er die erste Cremschnitte seines Lebens essen durfte, sie umarmend mit Stolz geschwelltem Blick, wie ein Krieger nach dem Sieg. Er war ganze 1,62 groß und 27 Jahre jung, ein gutaussehender Junge. Vroni und ich, wir sind der gleiche Jahrgang, wir interessieren uns bereits für Seniorenermäßigungen, die auch nach und nach schlagend werden – wir haben ja nichts zu verschenken. Ihr nächstes Kursziel war ein Sprachkurs in Afghanisch, passend zum Objekt der Begierde. Es ist ja als Weltsprache bekannt – fürs Leben lernen wir, wie meine Omi schon immer sagte. Idealerweise gibt es ja auch Zeitungen und genug Lebendmaterial wo sie sich die Praxiskante geben kann. Den wichtigsten Satz beherrscht sie schon: Duset daaram und Asheghetam – beides bedeutet so was wie – ich liebe dich. Für mich klingt es wie ein besoffenes – du sitzt daham und ich geh dann.

© Valerie Vonroe 05.04.2020