Lepschiabend

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Lepschiabend | story.one

Der wienerische Ausdruck für – mal weggehen und schauen was abgeht. Gemeint ist also nicht ein Theaterbesuch, schon gar nicht Oper oder sowas wie hochwertiges Ausgehen. Nein, einfach loslegen. Es empfiehlt sich schon mal zu Hause vorzuglühen um den spontan auserwählten Lepschiladen mit einem goutierenden Augenzwinkern gegenüberzustehen.

Heute waren wir zu fünft, also fünf Mädels im besten Alter. Traudi schlug vor in eine Karaokebar zu gehen, ja sie war sogar Feuer und Flamme für ihren Vorschlag. Da uns anderen im Moment keine Alternativen einfielen – es gibt so Zeitstrecken, da tut sich einfach nichts in einer Weltstadt wie Wien. An was das liegt, ich habe keine Ahnung. Es ist wie eine Seuche, alle gängigen Clubs werden abgeklappert und nirgends ist wirklich was los – ein Schiff auf Halbmast, das halt so dahintümpelt. Die Fixstartermänner, wie vom Erdboden verschluckt, waren sie jetzt alle FZ (fix zusammen), in eine tiefe Depression verfallen die ihr aushäusiges Erscheinen unmöglich machte? Möglicherweise arbeitslos, am Weg zur neuen Selbständigkeit – bestehend aus einer Visitenkarte mit Fantasyaufdruck, aber jedenfalls ohne Kohle? Aber das hatte ja die legendäre Marlene Dietrich schon vor vielen, vielen Jahren gefragt: „Wo sind all die Männer hin, wo sind sie geblieben?“

Also jenseits der Donau angekommen fielen wir in diesen Vorstadtschuppen ein. Nach einer kurzen Fleischbeschau nahmen wir an einem Tisch in der ersten Reihe Platz. Es gibt auch bei mir so Abende, da weiß ich – das wird heute nix, definitiv.

Liegt es an der seit nunmehr einem Jahr bestehenden Schieflage unserer Freundschaft? Wenn drei Damen mit allen Mitteln versuchen an ihrem häuslichen, männlichen Glück festzuhalten, und zwei auf der ewigen Suche sind – das reimt sich dann einfach nicht mehr so. Bei den seltenen Treffen der letzten Zeit war es so, dass gegen Mitternacht die ersten Fragezeichen in WhatsApp Form der daheimgebliebenen Männer auftauchten, wann denn Schatzilein abgeholt werden möchte? Mit einem selbstgefälligen Lächeln, dass ich nie mein Eigen nennen möchte, kommt dann mit so einer kleinen empörenden Geste – na ein Proseccerl haben wir immer noch getrunken. Beim nächsten Aufflackern des Handys verabschieden sie sich mit affenartiger Geschwindigkeit und dem Beisatz – ihr bleibt eh noch da, dickes Bussili! Haben sie Angst wir „Übriggebliebenen“ würden ihre Männer mit vorgehaltener Waffe aus dem Auto zerren, oder was? Dabei ist es ja auch bei ihren Exemplaren wie in der Kosmetik – am Tiegel steht “mit hochwertigem Kaviarextrakt“, schaust du genau auf die Rückseite, steht Kaviar an letzter Stelle, was bedeutet er kommt in mikroskopisch kleinen Spuren vor.

© Valerie Vonroe 06.04.2020