Fini – eine tierische Wandlung

Als Fini in mein Leben trat, war nichts mehr wir zuvor. Sie stellte mein Leben und viele meiner Anschauungen auf den Kopf. Lange Zeit spielten Tiere in meinem Leben keine wesentliche Rolle. Ich ging auf Abstand zu diesen haarigen, distanzlos schnüffelnden Gesellen und wusste doch insgeheim, dass ich mich nie vollständig fühlen würde, solange ich diesen Teil der Welt aus meinem Herzen klammerte. Aus irgendeinem Grund fiel mir dann eines Tages der Heilige Franz von Assisi ein, den ich – obwohl keine Expertin den Zuständigkeitsbereich von Heiligen betreffend – vor meinem geistigen Auge als Mittler zwischen Mensch und Tierwelt sah. (Und falls dies nicht sein offiziell zugeschriebenes Wirkungsfeld sein sollte, so wirkte er zumindest bei mir in privater Mission beziehungsstiftend ein.)

Fini brachte mich des Öfteren dazu, bei allen Katzenbesitzern Abbitte zu leisten - Hundebesitzer eingeschlossen-, deren „tierisches Verhalten“ ich früher, vorwiegend aus hygienischen Gründen, aber auch sonst in vielerlei Hinsicht in keiner Weise nachvollziehen konnte. Nie hätte ich einer Haustierverweigerin wie mir eine derartige Wandlung zugetraut, und hätte sie mir jemand vorhergesagt, ich hätte die Prognose schlichtweg als Irrtum abgetan.

Fini war mein Türöffner zur gesamten Tierwelt. Die Art und Weise, wie sie sich in mein Leben und mein Herz schmuggelte, schien vom Schicksal eingefädelt. Eines Tages entdeckte mein Mann zwei verlassene Kätzchen im Heu, eines davon tot, das andere – Fini: mager, struppig, mit eitrig verklebten Augen und wundem Hals. Nach unzähligen Streicheleinheiten und Augenbädern mit Kamillentee, die sie mit Engelsgeduld über sich ergehen ließ, hatte sie mich offenbar als stellvertretende Katzenmutter akzeptiert.

Wenn der Mensch – wie ich glaube – eine Bestimmung hat, dann ist Fini Teil meiner. Sie öffnet Herzen und „begnadigt“ Menschen, die ohne sie auf meiner „schwarzen Liste“ landen würden. Als eines Tages ein Mann vom Kundendienst einer Elektrofirma wegen des kurz nach Garantieablauf kaputtgegangenen E-Herdes zum Ventil meines Unmuts wurde, und die Spannung, die sich zwischen uns aufgebaut hatte, aufgrund seiner „Frau und Technik“-Attitüde und meines „Geplante Obsoleszenz“- Vorwurfes schon beinahe hörbar knisterte, da erschien plötzlich Fini auf der Bildfläche. Der „böse Wolf“ klang mit einem Mal wie ein Lamperl: „Mei, bist du a Liabe!“ - und aus zwei Konfliktparteien wurden augenblicklich Menschen, die in der Liebe zu ihrer Katze (auch der vermeintliche Macho hatte eine) eine verbindende Gemeinsamkeit entdeckten, die gewichtiger wog, als der auf beiden Seiten aufgestaute Ärger. So schieden wir, nachdem wir uns – unfassbar, aber wahr - auf die Wurzeralm wandernd nur mehr über Erbauliches ausgetauscht hatten, in bestem Einvernehmen und einer kulanten Lösung für den E-Herd.

Unglaublich, was eine Katze alles kann! Danke, Fini!

© Veronika Wlasaty