"Mitterdirn"

Als Kind bei den Verwandten aufwachsen und statt spielen arbeiten müssen, kaum zu glauben, doch das waren sie... die alten Zeiten. Doch gibt es nur Schlechtes von früher? Meine Oma Frau Elfrieda R. (81) erzählte mir über ihre Vergangenheit.

Am 5.September 1937 wurde Frieda, wie sie von allen genannt wurde, in Intenham (Lochen am See) geboren. Gleich darauf wurde sie ihrer Mutter entrissen, da sie unehelich geboren wurde und kam kurz darauf zu ihrer Tante, die sie mit ihren beiden Halbgeschwistern aufzog. Sieben Jahre lang lebte sie glücklich dort und musste nur wenig Arbeit leisten, wie zum Beispiel Kühe hüten, Hühner füttern oder Eicheln für die Schweine sammeln. Mit sieben Jahren arbeitete sie nach der Schule, die sie von 8 - 12 Uhr und von 13 – 15 Uhr besuchte, immer am „Kriechhamerhof“ oder beim „Hirsenbauern“. Zu dieser Zeit ereilte sie ein schweres Schicksal, als ihre Ziehmutter, die für sie wie ihre eigene war, an Tuberkulose starb. Da ihr Onkel sie am Hof nicht mehr brauchte wurde sie mit zwölf Jahren nach Astätt (Lochen am See) geschickt, wo sie als Mitterdirn (zweite Magd) aufgenommen wurde. „Es war nicht die schlechteste Zeit, da wir immer gutes Essen und auch ein bisschen Freizeit hatten.“, behauptete Elfrieda mit einem leichten Grinsen auf den Lippen. Freizeit nannte sie schon die drei Tage, wo sie die Kirchtage, die es in der Umgebung immer gab, besuchen durfte. Natürlich fuhr meine Oma nicht mit dem Auto, den zu dieser Zeit musste man schon froh sein, wenn man ein Rad besaß.

Als ich fragte wie der Umgang früher mit Geld war, antwortete sie lachend: „Welches Geld, wir hatten doch keins.“ Denn bei den Bauern, wo sie arbeitete, verdiente sie sich nur ihr Essen. Zu Weihnachten war Sternsingen für die Kinder meistens eine große Freude, denn nicht nur das Verkleiden machte ihnen sehr viel Spaß, sondern an diesen Tagen verdienten sie auch öfters ein bisschen Geld, das sie meist bis zum Sommer für ein Eis sparte. Doch heutzutage kann man sich kaum noch vorstellen, dass man für ein Eis fast ein ganzes Jahr sparen muss.

„Die Jugend hat es heutzutage viel besser, doch kaum jemand schätzt die Kleinigkeiten, die uns am Leben erhalten noch.“, beteuert meine Oma.

© Victoria Reschreiter