Bilderausstellung

Vor einigen Jahren hatte ich schrecklichen Liebeskummer – jeder von Euch hat dies wahrscheinlich schon einmal miterlebt und jeder versucht es ein wenig anders zu verarbeiten oder sich abzulenken bzw. es weitgehend zu verdrängen.

Ich fand nach den ersten Wochen unerträglichen Schmerzes ein wunderbares Ablenkungsmittel, das mich ein bisschen zurück in die Ausgeglichenheit, in den Flow des gegenwärtigen Tuns führte.

Ich begann zu malen. Jahrelang lag meine Kreativität brach, ich nahm mir keine Zeit dazu und verspürte auch nicht den Drang, irgendetwas Künstlerisches zu schaffen. Mein Hauptaugenmerk galt dem Aufziehen meiner Kinder, meiner Arbeit und dem Haushalt, da blieb nicht mehr viel Zeit übrig. Die wenige übrige Zeit widmete ich meinen Freundinnen und gemeinsamen Unternehmungen.

Doch die Kreativität steckte in mir. Als Kind habe ich gern gezeichnet und alte Schulhefte vollgekritzelt (auch während der Unterrichtsstunden konnte ich es nicht lassen, neben den Texten Zeichnungen hinzumalen, nicht so sehr zur Freude meiner Lehrer, aber so konnte ich mich besser konzentrieren – das war zumindest meine eigene Entschuldigung dafür).

Im Erwachsenenalter lagen die Prioritäten woanders. Ich musste ins Berufsleben hineinfinden, hatte eine Partnerschaft, wollte viel fortgehen an den Wochenenden (da bestand noch Nachholbedarf).

Nun, zurückkommend zum Beginn meiner Geschichte, erlebte ich ein trauriges Ende mit einem Menschen, in den ich verliebt war und bei dem ich dachte, dieser Mann würde zu mir passen. Leider sah er das anders, also wurde nichts aus uns. Zuerst las ich Bücher über Beziehungen um herauszufinden, was ich falsch gemacht habe. Dann begann ich mit dem Malen – nur für mich, auf einer kleinen Leinwand, einfach das, was mir gerade in den Sinn kam – und es tat mir gut. In dieser Zeit, wo ich mich dem Malen widmete und an nichts anderes dachte, ließ der Schmerz nach und konnte ich auch wieder mal gelöst sein. Ich glaube, das Malen brachte mir die nötige Heilung und Abstand zu diesem Mann. Nicht umsonst wird Malen als Therapie eingesetzt bei schlimmen Problemen, so wie die Musik, die einem auch unendlich gut tun kann.

Heute bin ich dankbar, dass ich durch dieses Liebesleid zurückgefunden habe zu meiner Kreativität. Es entstanden viele Bilder – mehr oder weniger schön (Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters). Und voriges Jahr fasste ich den Mut, meine Bilder öffentlich auszustellen.

Das Schönste an dieser Ausstellung war jedoch nicht, dass ich meine „Kunst“ der Öffentlichkeit preisgeben konnte – das schönste war, mit wie viel Liebe und Eifer mir meine Kinder, Neffen und Nichten geholfen haben, die Bilder aufzuhängen und gut zu platzieren und mit mir stolz waren, dass ich den Mut zur Ausstellung hatte. Das wärmte mein Herz am meisten. Vielen lieben Dank an meine Familie, die das jetzt zwar nicht lesen kann, aber ich hoffe, meine Gefühle zu ihnen spürt, wenn wir das nächste Mal wieder beisammen sind.

© Victoria