Der Nörgeltag!

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Im vergangenen Jahr – um nicht zu sagen im letzten Jahrzehnt - geschah es, wie es wahrscheinlich jedem von uns mal ergeht: Ich wurde munter und war grantig. Dabei hatte ich frei, aber ich hatte mir für diesen Tag viel vorgenommen und wollte früh aufstehen. Ich schaffte es jedoch nicht aus den Federn und ärgerte mich über mich selbst, weil ich so inkonsequent war. An diesem Tag mochte ich mich einfach selbst nicht.

Vormittags musste ich einkaufen gehen, um genug Lebensmittel zu Hause zu haben für meine Familie, da traf ich auf das nächste Schlammassel – es war die Hölle los – darauf war ich nicht vorbereitet. Vor Weihnachten war ich darauf eingestellt und plante 15 Minuten mehr Zeit ein. Ich blieb gelassen und stellte mich geduldig in die Warteschlange bei den Kassen. Aber knapp 1 Woche später schon wieder dasselbe Desaster? Das gibt’s doch nicht! So viel können die Menschen unmöglich essen?! Tja, Silvester stand vor der Tür und somit wahrscheinlich auch einige Einladungen und da möchte man nicht geizig dastehen. Ob ich wollte oder nicht, ich musste mich in das Einkaufsgetümmel stürzen, da ich ja für meine Familie zu sorgen hatte. Ich musste mich dem Schicksal ergeben, auch wenn ich noch so mürrisch war.

So zog sich mein Nörgeltag dahin, nichts konnte man mir recht machen, meine Kinder fand ich faul und schlampig, die Mitmenschen nervten mich. Nach dem mühsamen Einkauf musste ich noch kochen, auch nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Der Tag nervte einfach nur!

Auch der Gedanke an Silvester ärgerte mich, dieses gezwungene Feiern und die Kracherei und Knallerei, die nicht nur den Tieren Angst macht, sondern schädlich für die Umwelt ist, muss das wirklich sein?

Erst nachmittags, als ich mich mit einer Bekannten auf einen Kaffee traf, begann sich meine Laune wieder zu heben. Wir hatten eine nette Plauderstunde und verstanden uns prächtig und ich merkte wieder mal, wie gut ich es habe. Und dann kam mir noch dazu eine blendende Idee für den letzten Tag im Jahr. Ich würde den ganzen Rummel rund um Silvester nicht mitmachen sondern mir einen erholsamen und gemütlichen Tag in einem Wellnessbereich gönnen und mich so selbst für das zurückliegende Jahr 2019, das in vielen Bereichen sehr gut gelaufen ist, belohnen.

Warum nicht mal das alte Jahr feiern statt das kommende – da weiß ich ja sowieso noch nicht, was 2020 alles bringen wird, also wieso etwas feiern, wo ich nicht mal weiß, ob es gut oder schlecht laufen wird?

Ich spekulierte damit, dass zu Silvester nicht so viele Menschen wellnessen fahren, weil der Betrieb früher schloss als üblich. Gesagt, getan, am nächsten Morgen legte ich meinen Kindern Geld fürs Mittagessen bereit, sie durften sich selbst versorgen; ich packte meine Badesachen und rauschte davon – und mein Plan ging voll und ganz auf – es war wenig los und ich konnte die Saunen und den Pool nach Lust und Laune nutzen.

So endete mein Jahr 2019 ganz nach meinen Wünschen und ich konnte ausgeruht und ohne Nörgeln ins neue Jahrzehnt starten!

© Victoria