Die Operation

Ich war gerade mal ein Volksschulkind, als ich immer wieder unter diffusen Bauchschmerzen litt. Der Arzt prognostizierte eine Blinddarmentzündung und ich wurde ins Krankenhaus gebracht. In meiner Kindheit war es noch nicht üblich, dass die Eltern ihre Kinder ins Krankenhaus begleiten und dort bleiben durften. Ich wurde also abgesetzt mit all meinen Ängsten und Schmerzen und musste über mich ergehen lassen, was auf mich zukommen würde. Es war auch nicht üblich, dass die Ärzte vorweg genau erklärten, was passieren würde geschweige denn, dass sie das ängstliche Kind etwas beruhigen. Entsprechend groß waren meine Ängste vor der geplanten Operation.

Die Schwestern waren zwar sehr nett zu mir, aber Erklärungen erhielt ich auch von ihrer Seite keine, da waren andere Aufgaben zu erledigen. So wurde ich also in den Operationssaal geschoben, ohne eine Ahnung zu haben, was auf mich zukommen würde. Natürlich hat mir meine Mutter erklärt, dass ich eine Narkose bekommen würde, damit ich bei der Operation keine Schmerzen hätte – aber was versteht ein 8-jähriges Kind schon von einer Narkose? Als ich dann da drinnen lag in dem kühlen Saal, genau unter einer riesigen, grell leuchtenden Lampe, bekam ich Panik und Riesenangst. Dieses riesige Ding, das wie ein Gespenst auf mich runterstarrte, wirkte so bedrohlich auf mich, dass ich davor am meisten Angst bekam. Und als ich dann auch noch sicherheitshalber festgebunden wurde, war es vorbei mit meiner Gelassenheit, ich begann fürchterlich zu weinen. Irgendein Arzt beruhigte mich und drückte mir die Narkose auf Nase und Mund, auch das war schrecklich für mich. Ich wollte mich wehren und schreien, war diesem Gewaltakt jedoch hilflos ausgeliefert … dann war die Panik vorbei, ich bekam nichts mehr mit und wurde operiert.

Doch diese schreckliche Angst vorher hat sich unauslöschlich eingebrannt in mein Gedächtnis. Darum war es mir sehr, sehr wichtig, als ich selbst Kinder bekam, dass ich sie immer begleitete, wenn sie ins Krankenhaus mussten und sie nicht mit ihrer Angst alleine ließ – die Schmerzen, die sie hatten, konnte ich ihnen nicht abnehmen, aber den ungefähren Ablauf konnte ich ihnen erklären und ihnen zeigen, dass ich bei ihnen war.

Meine Panik vor der riesigen Lampe wäre nicht notwendig gewesen, wenn mir vorher jemand einfach nur erklärt hätte, dass dies nur das Licht ist, damit der Chirurg alles gut sehen kann.

Ich bin sehr froh, dass in dieser Hinsicht ein wenig Aufklärung und mehr Verständnis für Kinderängste in den Krankenhäusern üblich geworden ist – denn so eine Kinderseele ist nicht zu unterschätzen – sie merkt sich viel – vor allem jenes, das mit starken Emotionen verbunden ist.

© Victoria