Kleines Feuer

Ich lebte in einer Lebensgemeinschaft und hatte 2 Kinder, die mir sehr wichtig waren. Mit meinem damaligen Partner hatte ich nichts mehr gemeinsam außer unser Bestreben, unsere Kinder zu selbstständigen, glücklichen Erwachsenen heranzuziehen. Ansonsten ging jeder seine eigenen Wege, wir hatten einander nichts mehr zu erzählen, keine gemeinsamen Erlebnisse, einfach ein resigniertes Nebeneinander statt ein liebevolles Miteinander.

In dieser Zeit ging ich eines Tages alleine in ein Lokal. Ich stellte mich zu einem Stehtisch und beobachtete die Gäste.

Bald gesellte sich eine Frau zu mir und wir begannen zu tratschen und stellten fest, dass wir denselben Namen trugen. Kurz darauf kam ein Mann dazu und unterhielt sich ebenfalls mit uns. Es war ein Bekannter meiner Tischnachbarin. Meine Namensvetterin ging tanzen und ich plauderte weiter mit dem fremden Typen. Und da passierte es – ich, die eher ein schüchternes, zurückhaltendendes Wesen hatte, fühlte mich in der Gegenwart dieses Menschen unheimlich wohl und konnte mich angeregt unterhalten mit ihm. In diesem Moment schätze ich, verliebte ich mich und ein kleines Feuer entfachte in mir.

Er war geschieden, aber nicht auf der Suche, wie er meinte. „Ich lasse mich finden“ lächelte er selbstbewusst. Da dachte ich mir: „Ui, da wirst du es schwer haben als Mann, denn meistens wollen die Frauen gefunden werden.“

Es wurde ein kurzweiliger, schöner Abend, der viel zu rasch verging. Wir gingen zur gleichen Zeit nach Hause, aber jeder in eine andere Richtung. Er hatte mir zwar seinen Namen verraten, doch wir tauschten keine Handynummern aus, da er sich in keine Beziehung einmischen wollte.

Doch mir ließ der Gedanke an diesen Mann, der mir so viel Aufmerksamkeit geschenkt hatte, keine Ruhe. Ich erzählte meiner Freundin von der Begegnung und sie half mir, seine Handynummer herauszufinden.

Und ich begann ihm zu schreiben. Drei Wochen lang kommunizierten wir per Mail oder SMS miteinander und gewährten dem anderen einen Einblick in unser Leben. Es glich einer Knospe am Anfang des Frühlings, die langsam erwachte. Durch das Schreiben wurde die Verbundenheit stärker.

Nach drei Wochen kam es zu einem ersten geplanten Treffen. Wieder plauderten wir viel miteinander, gingen sehr vertraut miteinander um und ich fühlte mich so wohl in seiner Gesellschaft. Ich musste mich nicht verstellen, konnte ganz ich sein und fühlte mich trotzdem angenommen von ihm. Es war ein wunderbares Gefühl.

In den Wochen danach fühlte ich mich hin- und hergerissen. Ich wollte das Leben meiner Kinder auf keinen Fall verschlechtern. Aber ich wollte auch nicht mehr bei meinem Lebensgefährten bleiben.

Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich bedingungslose Verliebtheit. Ich musste zu einer Entscheidung kommen, wollte mir jedoch Zeit lassen und nichts überstürzen.

Er hatte zu wenig Geduld und brach die beginnende Beziehung ab ...

Dieses kleine Feuer, das gerade zu lodern begann, wurde von ihm wieder gelöscht.

© Victoria