Maloja-Pass

Ich habe eine wunderschöne Reise nach Italien gebucht – kein Badeurlaub, sondern eine Besichtigungstour mit einem Reisebus – darauf freue ich mich bereits.

Seit 2 Wochen gucke ich jeden Tag im Internet, wie das Wetter in Italien wird, 2 Wochen lang lag ein Mittelmeertief über dem Land, Regen, nichts als Regen – auch an meinem Anreisetag sieht es noch so aus, aber dann … ab Samstag wird es schön, also perfektes Ausflugswetter – um die 20 Grad Celsius, Sonne und Wolken – einfach perfekt – es ist wie ein Wunder für mich, ich kann es fast nicht glauben.

Guter Hoffnung (aber trotzdem sicherheitshalber mit einer Regenjacke im Gepäck) machen wir uns auf den Weg. Die Reise geht zum wunderschönen Comer See, von dort aus werden wir Mailand, Lugano und Como besichtigen. Doch zuerst müssen wir 8 Stunden Fahrt überstehen. Der Buschauffeur wählt die Anreise über die Schweiz – über den Maloja-Pass soll es weitergehen nach Italien.

Bei der Hinfahrt regnet es, was uns nicht stört, denn am nächsten Tag soll es ja bereits schöner werden. Doch wir alle – einschließlich dem Chauffeur – haben den Maloja-Pass gehörig unterschätzt. Es beginnt zu schneien und je höher wir kommen, desto mehr Schneegestöber überrascht uns, die Straße wird spiegelglatt, manche Autofahrer kommen ins Rutschen, einige bleiben hängen, die anderen kämpfen sich im Schneckentempo weiter.

Auch unser Bus beginnt zu schlingern, was bei den extremen Serpentinen und dem steilen Abhang sehr gefährlich ist. Wir werden immer stiller und nervöser, viele bekommen Angst, das ist eine lebensgefährliche Fahrt, mit der wir nicht gerechnet haben. Ich denke an meine Kinder, die mich noch ein paar Jahre brauchen und möchte nicht, dass sie jetzt ihre Mutter verlieren.

Ein Schneepflug kommt auf der Gegenfahrbahn den Berg herauf, aber er kann nicht beim Bus vorbei, die Straße ist zu schmal, er muss ebenfalls stehenbleiben. Hinter uns ist mittlerweile eine lange Autoschlange. Der Busfahrer holt die Schneeketten raus und versucht mitten am Berg, mitten in der engen Kurve, wo auf einer Seite der Hang steil abfällt, diese auf den riesigen Rädern des Busses zu montieren.

Er benötigt mehr als eine halbe Stunde, bis er alle Schneeketten angebracht hat. Wir Businsassen überlegen, ob wir nicht aussteigen und zu Fuß den Berg hinuntergehen sollen, aber keiner von uns hat Winterkleidung mit – hallo – wir fahren in den Süden! Mit meiner dünnen Jacke würde ich ganz schön frieren. Aber besser frieren als abstürzen.

Endlich hat unser Fahrer es geschafft und fährt im Schritttempo weiter, jetzt rutscht der Bus wenigstens nicht mehr weg bei jeder Kurve und wir atmen alle erleichtert auf. Eine gute Stunde später kommen wir an unserem Ziel an, hier scheint die Sonne, es hat um die 16 Grad Celsius und es kommt uns vor, als kämen wir in einer anderen Welt an.

Der Rest unseres Urlaubs verläuft traumhaft! Aber diese Anreise wird uns in Erinnerung bleiben.

© Victoria