Abtauchen

Das Nass umarmt mich. Es nimmt mich komplett auf. Wenn es auch am Anfang ein wenig kalt sein mag, schlägt dieses Gefühl bald in Wärme um. Aber nicht nur die Art von Wärme, die von außen kommt. Sondern eben auch so eine, die von innen ausstrahlt.

Um mich herum sind Bläschen. Abertausende Luftbläschen, die sich im Sonnenlicht räkeln und tanzen. Sie alle haben ein Ziel, und sprinten in eine Richtung.

Kurzzeitig ist meine Orientierung anderswo und ich genieße diese Verlorenheit. Bevor alles wieder klar wird.

Um mich herum ist es still. Regelmäßig höre ich wie es blubbert und die Bläschen mich umgeben. Aber sonst ist es leise. Keiner spricht, keiner quatscht, keiner kommt meinen Gedanken in die Quere. Außer mir selbst. Aber mein Kopfkino ist hier um einiges ruhiger als anderswo.

Jetzt liege ich da. Und doch liege ich gar nicht. Mit ruhigen, sachten und bedachten Bewegungen geht es weiter nach unten. In die Tiefe. Dort wo sich mein Ich am allerwohlsten fühlt. Dort wo ich mich auf Details konzentrieren und verlieren kann. Zumindest für eine Stunde. Oder eben 200 bar.

Und meine Aufmerksamkeit wird durch eine kleine Bewegung geweckt. Die meisten sind auf die großen Fische aus, ich kann mich stundenlang mit einem Quadratmeter beschäftigen und immer wieder Neues entdecken.

Hier unten in der Tiefe, wo es ruhig ist und ich zum Denken komme, hier bin ich am Liebsten.

Was für andere Yoga ist, ist für mich das Tauchen. Weit mehr als eine Leidenschaft, sondern viel mehr schon eine Sucht aus einer Stahlflasche am Rücken atmen zu können und dabei die Unterwasserwelt der Meere, Seen und Flüsse entdecken zu können. Und mich dabei selbst entdecken.

© Viktoria Urbanek