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Why can´t we live together?

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Why can´t we live together? | story.one

Flashback beim Sortieren meiner Tonträger.

Der pure Luxus in den 1980er: Die Zeit wird noch nicht in kleinste Scheiben geschnitten, übereinander geschichtet und geizig gehütet von elektronischen Kalendern und Chef-Sekretärinnen. Es gibt Bleistifte, Schreibmaschinen, Korrekturbänder und dicke linierte Hefte, Büchlein und Kalender, in die geschrieben wird. Der Radiergummi, der Tintenlöscher und das Tipp-ex sind bereitwillige Retter menschlichen Irrtums. Die Leute schauen sich noch in die Augen und nicht ständig auf ihre an den Händen angewachsenen Smartphones.

Das Tempo der Geschehnisse hat analoge Charakteristik. In Wiens Straßenbahnen thronen und kontrollieren die Schaffner, Toni Polster vom FK Austria Wien wird Jahr für Jahr Torschützenkönig.

Aus dieser Epoche ein Song für die Ewigkeit: 2 Minuten instrumentales Vorspiel, bis zum Erklingen der Stimme, die eine Kostbarkeit ist. Verschwenderische 5:26 Minuten Gesamtlänge. Trommel, Bass, Orgel, Gitarre, Drums assistieren der Sängerin. Keine Schnörksel. Sofort zuordenbar.

Die beiden Voyager-Raumsonden, auf ihrer Suche nach anderen Existenzen im Weltall, hätten nur 7 Jahre später wegfliegen müssen, um auch dieses herrliche Liedgut in die unendlichen Weiten mitzunehmen.

Andererseits: Das nur aus Männern besetzte Forscher-Team, das die 27 Musikstücke auf der ins All mitreisenden "Voyager Golden Record" ausgewählt hat, berücksichtigte keine einzige Künstlerin.

NASA-Hauptquartier-Macho-Welt anno 1977.

"Diese Spezies auf diesem Planeten hat zwar 2 unterschiedliche Ausprägungen", werden sich die außerirdischen Entdecker der Voyager-Sonden bestimmt wundern, "aber singen und musizieren darf nur eine von ihnen."

Vieles hat sich seit damals verändert zu Gunsten einer ausgeglicheneren "Frau-Mann-Balance" in zahlreichen Lebensbereichen. Vieles bleibt noch zu tun; auch abseits des Gender-Themas:

Israelis gegen Palästinenser, Wallonen gegen Flamen, Sunniten bekämpfen Schiiten, Libyer töten Libyer, Hutus hassen Tutsis und umgekehrt, Rohingyas auf Dauer-Flucht, Christen gegen Muslime, Türken gegen Kurden, Weiße immer noch gegen Schwarze, Inder gegen Pakistanis, Amis gegen Iraner und den Rest der Welt, Nationalisten gegen Migranten...

No matter, no matter what colour, you´re still my brother.

Keine Anklage oder Enttäuschung, kein belehrender Zeigefinger, kein Jammern. Melancholie und Zweckoptimismus, Hoffnung, die sich nicht beugen will, prägen den Verlauf der Melodie, das Zusammenspiel der Instrumente, die reine, perfekt modulierte Stimme.

Der Titel formuliert als offene Frage, welche Gültigkeit hat, seit der Mensch sich aus der Höhle gewagt hat. Es scheint, je zivilisierter, desto ausgefeilter die Methoden und Instrumente der Mächtigen gegen ihre Feinde und Feindbilder.

"Why can´t we live together", Sade, 1984, Track 9 auf dem Album Diamond Life.

Zeitlos aktuell. Aktueller denn je. Leider....

© ViktorJordan 01.08.2020

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