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#corona: Wofür ich dankbar bin

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#corona: Wofür ich dankbar bin | story.one

Es klingelt an der Tür, zum zweiten Mal an diesem Tag. Genervt greife ich zum Hörer der Gegensprechanlage, vermute, dass der Postbote uns zur Paketstation des Hauses erklärt hat, auch wenn wir gar keine Sendungen erwarten.

Wir sitzen nämlich schon seit guten eineinhalb Wochen zu Hause, ein Mitglied unserer Familie gehört zu den so genannten Risikogruppe – und nach Risiko steht uns gerade wirklich nicht der Sinn. Das heißt: freiwilliger Hausarrest, bis auf Weiteres. Ich halte mir also den Hörer der Gegensprechanlage ans das Ohr: „DHL“. Ich öffne die Tür, weil der Bote mir ein bisschen leidtut. Wer will derzeit schon hunderten Menschen am Tag entgegentreten und ihnen, kaum einen Meter entfernt, Pakete in die Armbeugen drücken, in die jene Adressaten in diesem Moment nicht einmal husten können?

Statt einer Büchersendung für die Nachbarn überreicht der Bote mir einen luftigen Karton, der einen bekannten Duft verströmt.

Blumen?

Ich öffne den Karton, sehe einen Strauß mit lilafarbenen Tulpen, Myrte, Eukalyptus. Darin eine Karte von einer Freundin aus Berlin. Sie schicke uns Tulpen, weil die für das Leben stünden, aber auch für Zuneigung. Und genau diese Zuneigung wolle sie uns in dieser Zeit zeigen.

Mir läuft eine kleine Träne über die Wange, und in dem Moment brummt mein Handy. Eine andere Freundin bietet an, mit ihrem Auto einen Großeinkauf für uns zu übernehmen, ich solle ihr bloß meinen Einkaufszettel fotografieren. Es werden noch fünf dieser Einkaufsangebote folgen.

Am nächsten Tag bringt der Postbote einen Karton mit Memory, Malvorlagen und Bastelpapier für die kleine Tochter, ein Geschenk von Oma.

Selten zuvor habe ich gespürt, wie eng und weich unser soziales Netz gesponnen ist, wie groß die Hilfsbereitschaft. Wie sehr ich es natürlich vermisse, diese Menschen in den Arm nehmen zu können. Aber dankbar sein, das können wir noch. Und sollten, gerade jetzt, in denen uns oft die Sprache fehlt, Worte des Dankes finden, auf einer Karte, in einem Brief, in einer kleinen Sprachnachricht.

Insgeheim planen wir auch schon eine „Corona’s out“-Party, mit allen Alltagshelfer*innen und Freund*innen. Es gibt noch kein Datum – wie auch?

Aber eines wissen wir: Sie wird groß.

© Vivian Alterauge 20.03.2020

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