Mama, ich gehe nach Afrika!

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Mama, ich gehe nach Afrika! | story.one

„Mama, wenn ich mal groß bin, dann werde ich Kindergärtnerin“, erzählte ich stolz meiner Mutter als ich selbst noch den Kindergarten besuchte. Damals freuten sich meine Eltern, dass ich die Kindergartenzeit so genoss und Vorbilder hatte.

„Mama, wenn ich erwachsen bin, dann baue ich einen Kindergarten in Afrika auf“, informierte ich meine Mutter, als ich mit sechs Jahren in die Grundschule ging. Meine Eltern dachten sich damals: „ Kindheitsvorstellungen: die gehen sicher wieder vorüber.“

„Mama, ich fliege in die Demokratische Republik Kongo und verwirkliche meinen Traum“, stellte ich nach meiner Ausbildung als Kindergartenpädagogin mit etwa 19 Jahren klar. „Was, in den Kongo? Ausgerechnet in dieses Land? Da ist doch Krieg und extreme Armut!“, rief mir mein Vater entsetzt entgegen, nachdem er das Land gegoogelt hatte. Meine Mutter war zunächst skeptisch, doch schnell bemerkte sie, dass mich keiner von meiner Entscheidung abhalten konnte.

„Mama, ich weiß nicht ob ich die Nacht überleben werde. Ich will noch nicht sterben“, weinte ich meiner Mutter vor, als ich sie mitten in der Nacht aus dem dunklen Dschungel Afrikas anrief, damals war ich 20 Jahre alt und kämpfte seit Wochen gegen ein paar tödliche Krankheiten. Mein Körper bestand nur mehr als Haut, Knochen sowie so einigen Parasiten und Würmern. Eigentlich war der Anruf keine so gute Idee von mir, da meine Eltern mit Sicherheit den Schock ihres Lebens erhielten!

„Mama Manuela, dich hat Gott geschickt! Du bist immer für uns da, du bist unsere Mama und einfach ein Teil von uns“, sagen mir die Menschen in Tshumbe, meiner zweiten Heimat im Herzen Afrikas, andauernd. Sie nennen mich "Waale Waana", was auf ihrer Sprache so viel wie "Mutter aller Kinder" bedeutet. Darauf bin ich enorm stolz und ich bin dankbar sie in meinem Leben zu haben!

Jetzt bin ich 27 Jahre alt. Die meiste Zeit vom Jahr verbringe im Dschungeldorf im Kongo. Dort wohne ich in einer Lehmhütte, die ich gemeinsam mit den Menschen dort erbaut habe. Neben meinem Kindergarten konnte ich außerdem eine Grundschule, eine Krankenstation, ein Landwirtschafts- und Ernährungsprogramm, eine Tischlerei sowie ein Nähstudio aufbauen. Insgesamt besuchen 247 Kinder mein Bildungszentrum, die meisten sind Waisenkinder oder so arm, dass sie sich nie Bildung leisten könnten. Nicht nur ihnen ist geholfen, sondern auch ihren Familien und Bezugspersonen. 62 Erwachsene zählen zu meinem Team vor Ort, sie alle kommen aus Tshumbe und sind froh endlich eine Arbeit zu haben. Die Menschen in Tshumbe sind meine Freunde und meine Familie und es ist das Schönste für mich gemeinsam mit ihnen an der Entwicklung ihres Landes zu arbeiten!

Und wie geht es heute meinen Eltern? Sie wohnen nach wie vor auf unserem Bauernhof in Tirol und sind die besten Eltern, die ich mir vorstellen kann. Sie unterstützen mich und stehen mir in allen Höhen und Tiefen bei und ich bin ihnen dafür unendlich dankbar!

© WaaleWaana