A paar Schwammerl halt

Winterbach, irgendwo in Niederösterreich, ein kleiner, 8 jähriger Junge wird aus seinem Traum gerissen. "Guten Morgen, mein Sohn, auf geht`s, die Schwammerl erwarten uns schon." Das Kind nickt schlaftrunken seinem Vater zu und verschwindet wieder unter der Decke. Ein sanftes Rütteln gepaart mit einer leisen, vertrauten Stimme reißt ihn erneut aus seiner Phantasiewelt. "Das Gwand liegt am Bett, dein Taschenmesser hab ich, los geht`s jetzt aber." Nun ist der Junge endgültig munter, er zieht sich an, öffnet den Vorhang, es ist noch dunkel draußen. "Verdammt, wie spät ist es denn," denkt er sich und schlürft ins Badezimmer. Seine digitale Hahnuhr verlautbart "Kikeriki, es ist 4 Uhr 45."

Als ich zu ihm runtergehe, erwartet mich schon eine Tasse Kakao und eine Nutellasemmel. Er grinst mich an und freut sich sichtlich rauszukommen. Dann legt er mir mein Taschenmesser auf den Tisch und sagt "A Bua ohne Feitl ist ka Bua." Ich liebe diese Weißheiten und schmunzle während ich mein Feitl in meinem Hosensack verschwinden lasse und mit ihm Hand in Hand zum Auto gehe. Ja, er ist mein Vater, mein Vorbild, er zeigt mir Dinge und unternimmt mit mir Sachen, die ich gerne mache, auch wenn sie verdammt zeitig gemacht werden sollen. Also rein in unseren VW Bus und über die Serpentinen rauf zum Hochbärneck, kotzübel wird mir, aber ich halte es gerade noch aus. Es wäre nicht das erste Mal, dass wir wegen meiner Übelkeit einen kleinen Kotzstopp einlegen müssten, diesmal aber nicht. Schweißgebadet steige ich aus und atme die frische Höhenluft ein. Einmal, zweimal, dreimal, schön langsam geht es mir wieder besser. Mein Vater lacht mir zu und erkennt die Situation. Er schreitet voran, tief in den Wald hinein, erklärt mir alles Mögliche über die Bäume und Pflanzen, die wir sehen können, über die Tiere, welche hier leben und über das Leben im Allgemeinen. Ich höre ihm aufmerksam zu, freue mich an diesem lauwarmen Julitag mit ihm unterwegs zu sein und genieße die Vater-Sohn Zweisamkeit, ohne all meinen Schwestern, nur er und ich und die Natur, die wir beide schätzen und lieben. Während wir hir und dort ein paar wenige Herrenpilze finden, überkommt mich fast fluchtartig der Drang mein Geschäft zu verrichten. Ich entferne mich also kurzerhand von meinem Vater, suche mir ein schattiges Plätzchen, mittlerweile, es dürfte so gegen 11:00 Uhr sein, brennt die Sonne so richtig runter auf uns und gerade als ich mir die Hose runterziehe und mich hinhockerl, entdecke ich diese unglaubliche, fast vollkommene Pracht.

Für mich, als 8jährigen, war es das Nonplusultra, 3 gewaltige Parasole neben einander. Ich rufe sofort "Papa, Papa, komm schnell!" Wie von einer Tarantel gestochen, kommt mein Vater herbeigeeilt, sieht mich mit heruntergelassener Hose, atmetet tief durch und fragt verdutzt" Was ist denn los?" Ich zeige auf die Pilze und er lacht nur und sagt" A paar Schwammerl halt."

© WalterB