„Only a little bit of typhus!“

Sichtlich angeschlagen sitze ich schwach und vom Schüttelfrost gebeutelt in einer kleinen Kammer, einer stickigen, schmuddeligen Arztpraxis auf gefühlten zwei Quadratmetern. Die Hitze ist erdrückend. Wir sind umgeben von Straßenlärm, fremden Gerüchen und unangenehm vielen Leuten. Ja, Leute sind überall. Sogar hier, in dem winzigen Behandlungszimmer. Hochsommer in New Delhi. Um mich vom Fieber abzulenken, betrachte ich die von Schmutz verkrusteten Möbel. Kann verkrusteter Schmutz von selbst auf Tischbeinen und Wänden "wachsen"? Oder tragen die Leute diesen extra auf, um der Umgebung einen authentischen Look zu geben? Dieser durchaus interessanten Frage hänge ich nach, als endlich der Arzt, im weißen Kittel, mit strahlendem Gesicht und den Laborergebnisse in der Hand, die Kammer betritt. "No Malaria - only a little bit of Typhus!" verkündet er mir.

Typhus? Sehr beruhigend, genau das hat mir noch gefehlt. Der Arzt bleibt trotzdem gut gelaunt. In Indien ist man offenbar sehr genügsam, man freut sich über jede Kleinigkeit, auch wenn es nur ein wenig Typhus ist. Die Abgeschlagenheit und Müdigkeit sind nach dem Befund auf einen Schlag wie fortgeweht, die Augen weit geöffnet. Tausend Sachen schießen mir durch den Kopf. Wo kommt der strahlend weiße Mantel her? Es gibt in der ganzen Stadt kein sauberes Wasser, keine saubere Stelle. Warum Typhus? Ich hatte mich auf Malaria untersuchen lassen; es ist Malaria Hochsaison und meine Symptome schließen eine Infektion nicht aus, aber Typhus? Naja, auf jeden Fall keine Malaria, das ist ja schon nicht schlecht. Der Arzt versicherte mir noch, dass "a little bit of typhus" kein Problem ist. Das hat ja jeder hier und schon schickt er uns wieder hinaus, in das Gedränge der Straßen von New Delhi. Ich werfe unsere “Notration” Antibiotika ein, die mein Zahnarzt mir, als er von der geplanten Tour erfuhr, noch am Tag vor der Abreise, zusteckte. Ich muss rasten, muss mich erholen. Reisen ist nicht Urlaub!

Dass meine Infektion keine Malaria sein konnte, war unserem Zimmernachbar schon am Vortag klar. Er klärte uns auf, Malaria bekommt man nur, wenn man sich nicht gut wäscht; für uns sei Malaria also kein Problem. Wie beruhigend. Seine Aufklärung ließ uns vor Verwunderung sprachlos werden. Welcher Teufel hat uns geritten? Wir tauschen die Annehmlichkeiten des Paradieses auf Erden – der Steiermark - gegen die Anstrengungen und Gefahren einer Abenteuerreise durch den Himalaya! Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Speziell nicht, wenn man nüchtern ist.

© Wauschi