Robby kommt

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Robby kommt | story.one

"Du kannst deine Zeit wirklich sinnvoller nutzen!“, sagte meine Frau, als ich in den Garten ging: „Du musst nicht jeden Samstag Rasen mähen.“ Aus meinem erstaunten Blick wurde ein vernichtender. Ich fuhr herum, noch bevor ich die Terrassentür erreichte.

Hatte ich richtig gehört? Welches Ritual wollte sie mir abspenstig machen?

Konnte sie ermessen, was in einem Mann vorgeht, wenn er den PS-Hochleistungs- Rasenmäher bedächtig aus der Garage zieht, Griffe und Bremse einstellt, die Räder richtet, die erste Rasenbahn anvisiert, tief durchatmet, um dann mit mäßigem, dann immer kraftvollerem Schwung die Startleine zu ziehen?

Ich stehe davor: ein- zweimal gibt die Maschine beim Leinereißen nur ein sanftes Blubbern von sich – beim dritten Mal, besinnt sie sich auf ihre eigentliche Aufgabe. Nach kurzem trockenem Husten heult der Mäher auf, steigert sich zum Brüllen, lässt kraftvoll den Zylinder vibrieren. Nun, etwas weniger Luft, er wird ruhiger, sein infernalisches, männliches markerschütterndes Brüllen beweist jedoch seine enorme Kraft.

Noch kurz am Starthebel gedreht, ein wiederholtes Aufjaulen. Die Bahn anvisiert, den ersten Gang eingeschoben, die Kraft auf die Räder gebracht, vorsichtig den Starthebel gelockert, und schon schießt sie raumgreifend über die Fläche.

Das ist die Wochenend-Ouvertüre, die ich hören will – aber nicht allein – der Nachbar, der Übernachbar und der von ganz unten – alle lassen ihre Motoren aufheulen (meiner ist lauter!), um sich Bahn um Bahn vorzunehmen.

Mein Garten besteht aus verbundenen Einzelstücken. Ich habe Kurven eingeplant, zieh dann die Maschine in leichte Seitenlage, genieße ihr Ächzen, das Zurückfallen in die eigentliche Spur, um auf die nächste Seitenlange zuzusteuern. Dann Bahnwechsel, Querlage, die Maschine wird rumgerissen, schwebt mit 2 Rädern in der Luft, ergreift freudig-wild erneut den Boden, um in entgegengesetzte Richtung zu steuern.

Runde um Runde wird eingeläutet. Kraftvoll werden die Geraden, wild die Kurven genommen. Und immer liegt die Maschine ruhig in der Hand, bricht nicht aus, gnadenlos köpfend, was unter ihr länger als 4 cm ist.

Ich bin stolz auf sie und ihr infernalisches Gebrüll. Nach einer Stunde Fahrt sinken wir erschöpft zusammen. Stolz, die Bahnen bezwungen zu haben. Dem Nachbar wird gewunken, das Bier herausgeholt.

Das aufgeben?

„Überraschung!“, sagte meine Frau am Montag.

„??“

„Robby kommt“

„?Robby?“

Und Robby kam, ein Automat, kann nicht brüllen, nicht mal summen, zieht chaotisch seine Bahnen, pfeift sich asthmatisch-stockend durch jede Kurve, als wolle er gleich Feierabend machen, säbelt vom Rasen weniger als nichts ab, muss mehrfach an die Box, um seinen Saft zu tanken.

DER BESCHÄMT MEINE MASCHINE NICHT!

Ich geh dann abends manchmal in die Garage, streichele sie: “Keine Sorge, du kommst wieder zum Einsatz. Jeder Akku geht mal kaputt!“

Und manchmal lasse ich sie an, reiße den Gashebel auf, besaufe mich an dem infernalischen Gebrüll.

© weey