Warum ich ein Reisender zwischen den Welten wurde?

Meine Mutter arbeitete unweit von dem kleinen Dorf in dem ich aufgewachsen bin als Krankenschwester. Sie liebte ihren Beruf und ging sehr einfühlsam mit den Patienten um, daher teilten diese gerne ihre Lebensgeschichte mit ihr. Viele waren sich bewusst, dass sie bald sterben würden und ließen die verflossenen Jahre revue passieren. Dabei stellten sie oftmals auf schmerzliche Weise fest, dass sie nicht wirklich gelebt hatten. Da waren Bäuerinnen, die ihr ganzen Leben geschuftet hatten und sich nicht einmal einen schönen Ausflug gegönnt hatten. Jetzt so kurz vor ihrem Tod wurde ihnen plötzlich bewusst, dass dafür keine Zeit mehr blieb. Da waren Menschen, die immer nur für andere gelebt aber dabei ganz auf sich selbst vergessen hatten. Jetzt wünschten sie sich, dass auch sie ihre Träume gelebt hätten. Da waren Unternehmer, die bemerkten, dass ihr ganzes Geld, das sie Zeit ihres Lebens erwirtschaftet hatten, nicht zusätzliche Lebensjahre kaufen konnte. Die Zeit war abgelaufen. Kein Geld der Welt konnte sie zurückkaufen, um nochmals die Möglichkeit zu bekommen, andere Entscheidungen zu treffen.

Wenn meine Mutter von einer der Geschichten am Sterbebett besonders berührt war, teilte sie diese mit mir und dabei bemerkte ich was für ein riesiges Geschenk das Leben war. Mir wurde klar, dass ich all die Jahre von denen die Sterbenden nun träumten noch vor mir hatte. Ich konnte mich in diesem Augenblick entscheiden, mein Leben bewusst zu leben. Ich konnte mir die Frage stellen: „Wer bin ich?“ „Wie möchte ich leben?“

Ich erkannte, dass ich im Herzen ein Entdecker bin. Ich verspüre ein inneres Lächeln wenn ich das bisher Unerkannte erforsche, seien es Länder in die mich der Ruf des Reisenden zieht, seien es andere Bewusstseinsebenen, seien es Begegnungen mit Menschen, mit der Erde und mit dem Kosmos! Ich bin ein Reisender zwischen den Welten – das ist mein Leben.

Gewohntes zu verlassen, Abschied zu nehmen und voller Vertrauen zu neuen Ufern aufzubrechen erfordert Mut. Diesen Mut habe ich entdeckt als ich bereits in meiner Kindheit den Tod in mein Leben integriert habe - so lernte ich in der Vergänglichkeit des Seins den Augenblick wert zu schätzen.

Ich kann nur im Jetzt handeln und ein Verschieben der Träume und Visionen in die Zukunft bedeutet möglicherweise, dass diese nie eintreten. Martin Weber brachte das wunderbar auf den Punkt: „Die Zeit wartet nicht, sie ist jetzt.“

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