Der 27. 12.

Ein Tag den niemand braucht.

Und doch jeder haben will.

Der erste nach drei Tagen Familie, an dem man endlich all die Geschenke umtauschen kann, die keiner benötigt. Nichts auf dieser Erde bringt mich an diesem Tag in die Epizentren des Materialismus.

Obwohl? Nicht ganz. Eines schon. Und zwar, wenn man vergisst die Fremdwährung des exotischen Landes ein paar Wochen vor Antritt seiner Reise auf der Bank zu bestellen.

Hier stehe ich also. Einen Tag vor Abflug. Am Wiener Graben. Auf der Suche nach dem zentralen Bankinstitut, das mich freudig mit meinen exotischen Banknoten empfangen wird. Von der U-Bahnstation Herrengasse bis zur Filiale sind es knapp 250 Meter. Noch nie fühlten sich diese so weit an. Noch nie fühlte ich mich so fremd. Der Erste Wiener Gemeindebezirk ist in etwa so wienerisch, wie freundliches Kaffeehauspersonal.

Zweitausend Touristen pferchen sich durch die weitläufigen Straßen, zwischen Luxusmarken, die eh keiner kauft, und Lokalen mit Speisekarten in acht Sprachen.

Die Bank muss mich leider darauf hinweisen, dass sie kein Bargeld im Haus führt. Ist das nicht der Sinn einer Bank? Sozusagen die Daseinsberechtigung?

Ich werde 800 Meter weitergeschickt, zur nächsten Filiale, die mich dann angeblich freudig mit meinen exotischen Banknoten empfangen wird. Hiermit möchte ich meine Aussage über sich lang anfühlende 250 Meter revidieren. 250 Meter sind NICHTS.

Die kommenden zwanzig Minuten Fußmarsch machen mir klar, warum die "Innere Stadt" zwar so wichtig für Wien, so viel unwichtiger jedoch für die Wiener ist. Zwischen Louis Vuitton und Chanel weiche ich einem Fiaker aus, auf dessen Kutsche vier übergewichtige Araber Selfies von sich und den umherstreunenden bemundschutzten Japanern machen. Zu allem Überfluss spielen dazu vier amerikanische Ureinwohner auf ihren Panflöten "Time to say Goodbye".

Ich halte nun endlich meine exotischen Geldscheine in Händen und denke daran die Reise abzusagen.

Noch einen Kulturschock überlebe ich nicht.

© WienerAuster