Baking Bread

  • 137
Baking Bread | story.one

Der Ofen muss gut heiß sein, am besten heizt man schon am Vormittag ein. Der Brotteig sollte zweimal ruhen. Erst knetet man das Mehl mit gutem Wasser, Salz und Sauerteig aus dem Trog. Am besten auf Holz, denn Holz ist rau und warm. Ich ziehe meine Daumen durch den Teig, so dass es zwei Löcher gibt, die Luft reinlassen, schlage eine Rolle (nun sieht es wie ein Weihnachtsstollen aus) drehe die elastischer werdende Masse eine viertel Umdrehung und wiederhole, kneten mit Handballen plus Daumeneinsatz, Zusammenschlag-Rolle, Drehung.

Zuerst fühlt sich das Mehl und das Wasser wir Dreck an, wie Regen auf Erde, dann gewinnt es an Form, es wird zum Klumpen, es bekommt Farbe, wird sanft beige. Das Klatschen auf der Holzplatte ist satt, das Gefühl in den Händen ist schwer. Der Klumpen bekommt einen seidigen Glanz, auch vom Fett an den Händen. Der Gedanke an natürliches Hautfett ist bei mir sonst selten und schon gar nicht so positiv. Wenn meine Hände nicht mehr kneten wollen, spanne ich die Teighaut. Oben fange ich an, dabei drehe ich wie auf einer Töpferscheibe. Es sieht schon wie ein Laib aus und muss jetzt zugedeckt ruhen, im Kühlen, nicht warmgestellt wie Hefekuchenteig. Je kälter das Wasser war und je niedriger die Raumtemperatur, umso länger kann ich den Teig gehen lassen. Je mehr Zeit ich habe, je mehr gewinnt der Geschmack. Das Warten ist Ausruhen - für uns beide. Ich lese jetzt.

Dann kommt das gewaltsame Zusammenschlagen, das zweite Formen, das zweite Gehenlassen, viel kürzer, dann das Ritzen mit dem Messer, der Lamé, das Sprayen des glühenden Ofens mit Wasser, das Backen, das Rausholen mit dem Schuber, das Kräckeln der heißen Kruste, das Klopfen auf den hohlklingenden Boden.

Ein Tag kann ganz vergebens gewesen sein, völlig falsch, so dass man sich schämt, so dass man ihn vergessen möchte - und dann ist da der dunkle, duftwarme Laib. Ich habe ihn gemacht, aber er ist auch ein Wunder.

Ich laufe und rufe, wen immer ich kann. Sie kommen und schnuppern, ihre Münder lächeln. Wer weiß, wie ihr Tag war. Nun teilen wir das Brot.

© Wladimir 24.11.2019