Brief des VFBTF an die Bierbrauer

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(Ein leider noch nicht abgesandter Brief)

An die Festtagsbierbrauereien im deutschen Sprachraum!

Im Auftrag des "Verbandes Festtagsbier trinkender Frauen" wende ich mich in einer äußerst heiklen und für uns belastenden Mission an Sie: Unseren Mitgliedern und mir als Obfrau dieses Vereins stinkt es schon seit langem ganz gewaltig, das für euch Bierbrauer das männliche Geschlecht immer noch als dominant betrachtet und uns Frauen gegenüber völlig zu Unrecht massiv bevorzugt wird. Durch diese Ungleichbehandlung wird uns die vom Gesetzgeber garantierte Gleichstellung der Geschlechter verwehrt. Dabei trinken wir Frauen das Bier genauso gern wie die Männer und wir wünschen uns gerade zu den Feiertagen nichts sehnlicher, als ein klein wenig Gleichberechtigung, zumindest was den Getränkesektor betrifft.

Ja, glauben denn die Herrschaften wirklich, dass sie etwas Besseres sind als wir, nur weil sie Dinger haben, die sie und ohnedies nur alle heiligen Zeiten zukommen lassen und, dass ihnen deshalb ein nach ihrem womöglich auswärtigem Sexualverhalten benannter Festtagstrunk, ein Bockbier, zusteht? Ein Getränk, das schon auf Grund seines Namens für den weiblichen Gaumen eine Zumutung und für unsere Seelen ein Gräuel ist.

Deshalb fordern wir ein Ende dieser Diskriminierung und verlangen die uns Frauen zustehende Gleichbehandlung. Es darf doch nicht sein, dass zu hohen kirchlichen Festen, wie Ostern oder Weihnachten, von den Brauereien nur Bockbier gebraut wird und kein Mensch kann uns erklären, ob dieses Getränk nach einer männlichen Ziege benannt wurde, oder ob es seinen Namen tatsächlich dem unsittlichen Triebverhalten des männlichen Geschlechts verdankt. Wir fühlen uns als Frauen jedenfalls in unserer Würde zutiefst verletzt und erniedrigt. Deshalb verlangen wir, dass ab sofort dieselbe Menge an Geißbier - auch Goaßbier genannt - gebraut wird und zwar Osterbock und Ostergoaß bzw. Weihnachtsbock zu Weihnachtsgoaß im Verhältnis 1:1, sodass die Festtagsbiere im gleichen Verhältnis als Gendergetränke auf den Tischen zur Verfügung stehen.

Wenn dann bei Festtagsfeiern - ob Ostern oder Weihnachten - Männer und Frauen gemeinsam zu einem Umtrunk beisammen sitzen und jeder das seinem Geschlecht zugedachte Festtagsbier trinkt, wird man in den Gesichtern der Feiernden eine bierselige Zufriedenheit finden. Sollte man dann im Laufe der Festlichkeiten beginnen, Goaß - und das Bockbier halbe-halbe zu vermischen, sodass plötzlich ein Goaßbockbier auf dem Tisch steht, fühlen wir Frauen Harmonie und Einigkeit wie nie zuvor und eine Gleichheit, die wir uns immer gewünscht haben.

In Erwartung einer positiven Erledigung unseres Vorschlages verbleibe ich

Ihre Stieglinde Bieringer, Obfrau des VFBTF.

© Wolfgang Fels 24.11.2019