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Keine Kalaschnikow

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Keine Kalaschnikow | story.one

Es ist ja nur ein Traum, aber ich liebe ihn. Ich fahre gerade heim, nachdem ich lebenswichtige Sachen eingekauft habe – Grüner Veltliner, Welschriesling, Muskateller - und sehe, dass sich mein Buchhändler in seinem Lager aufhält. Ich halte an: “Hallo Erich ich brauche 500 Schuss Munition und pack mir eine Kalaschnikow mit ein!” “Ja aber ---” “Ach ja Du bist ja Buchhändler. Damit ich nicht umsonst da war, pack mir den neuen Stipschitz, die Uhudlerverschwörung ein und das Story one Buch von Ümit Mares. DIe Hoffnungsträgerin"

Erich windet sich: “Die Bücher darf ich Dir nicht geben, Kalaschnikow habe ich leider keine…”

Und dabei weiß ich, dass er mich anlügt: er ist nicht nur Buchhändler. Ein neues Kochbuch hat er beworben und die Saucen des Meisterkoches gleich in seinem Laden verkauft. Vor dem Lockdown. Er ist also auch ein Lebensmittelhändler. Systemrelevant! Leider habe ich schon alle erworben. Führt eigentlich das Ministerium Buch darüber? Kommt dann wer und sagt sie haben ja die Saucen schon. Das ist ja gar nicht mehr lebensnotwendig. Darauf möchte ich es nicht ankommen lassen. Da ist mir die Kalaschnikow schon sicherer.

“Wann i a Büchl seh hab i schon gefressen…” Ein Reichtagsabgeordneter wurde mit dem Spruch unsterblich. Vielleicht sollte man Bücher dann doch als Lebensmittel einstufen? Dann könnte mein Einkauf ja erfolgreich gewesen sein. Bücher gegen den Hunger. Ein schöner Gedanke im konkreten Fall aber eher im Luxussegment angesiedelt.

Wie kommt man in Zeiten wie diesen zu einem Buch? Online? Vielleicht gleich als E-Book? Soll ich den Buchhändler fragen, ob er mir einen Uhudler verkauft. Das wäre ja dann ein Lebenmittel. Samt der dazu gehörenden Verschwörung könnte das die Hoffnung tragen, dass das alles nur ein schlimmer Traum ist. Damit wäre auch die Hoffnungsträgerin abgedeckt.

Nein man muss ehrlich sein. Ich will ein Buch erwerben. Bücher sind Waffen gegen den Ungeist, oder auch nur gegen die Langeweile. Bücher sind Lebensmittel, weil sie Leben vermitteln. Waffengeschäfte dürfen – oder müssen – offenhalten, weil sie Sicherheit verkaufen. Bilder, die dabei entstehen, sollten nicht diskutiert werden. Sind zu grauslich!

Bücher zu versenden ist aber teuer – wohl aber erlaubt. Dort wo normal Steuer bezahlt wird, frisst das Porto den Gewinn auf. Und so fanden der Erich und ich die Lösung: er packte die beiden Bücher in ein Sackerl und trompetete erfreut: Trarie Trara die Post ist da. Gab mir das Packerl.

Die Kalaschnikow und den Uhudler heben wir uns für später auf.

Für den dritten Lockdown.

© Wolfgang Ferdinand Vogel 2020-11-21

LOCKdown - 2.(0) Klappe

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