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Dresscode im Home-Office

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Dresscode im Home-Office | story.one

Darf man in Unterhosen Kunden empfangen? Corona macht´s möglich und da ist wieder einer der Vorteile dieser Seuche, von der Verschwörungstheoretiker glauben, die Chinesen hätten sie zu uns geschickt um damit ihre Weltherrschaft zu festigen.

Nein! Kalsarikännd heißt das Zauberwort und es kommt aus Finnland. Eh schon wissen: die Finnen, die Pisa-Tests, sie sind gewissermaßen der Antipoden zu den Chinesen auf der Ebene der Bildung. Kalsarikännd – das Wort verdanke ich meinem Lieblingskolumnisten Giudo Tartarotti, der damit meine nicht einmal ansatzweise vorhandenen Kenntnisse des Finnischen erweiterte, bedeutet „sich in Unterhosen daheim zu besaufen“. Es gibt Einblick in die langen Nächte, die in diesen nördlichen Breiten ja überlang sind: man braucht nicht viel, eine Unterhose und etwas trinkbares. Und man erfährt was die Finnen machen, wenn sie nicht gerade für den Pisa-Test büffeln.

Zu Beginn eines Fernstudiums lobte der Leiter des Lehrganges die ökonomischen und ökologischen Vorzüge dieser Form der Wissensvermittlung: man braucht keine besonderen Kleidungstücke, keine Fahrten, man verbraucht kein Wasser weil man weder baden noch duschen muss. „Ich kann euch förmlich sehen…“ leitete er die Lehrveranstaltung ein. Er hätte auch sagen können: „Ich kann euch förmlich riechen…“.

Corona macht´s möglich. Der Dresscode für Videokonferenzen richtet sich nach der Einstellung der Kamera. Nur Masochisten – oder Exhibitionisten – werden eine Totale wählen. Die meisten doch eine Halbtotale, also von der Gürtellinie aufwärts. Und da ist jetzt die Frage: Krawatte oder keine? Sakko T-Shirt, Sweater, Hoody? Letzteres kann dazu führen, dass sich die Kapuze aufstellt und dann der Eindruck entsteht, man liege noch im Bett. Das macht irgendwie einen verschlafenen Eindruck und ist vor allem Finanzberatern nicht zu empfehlen.

Überhaupt sollte eine branchenübliche Bekleidung gewählt werden. Da kann man sich durchaus an den Regierungssprechern orientieren: sie tragen vorwiegend schwarz und sollen damit die Nähe zum Tod betonen: Pompfinebrer halt – wie der Wiener sagen würde.

Fitnesstrainer können natürlich ihre gewohnte Dress beibehalten. Bademeister ebenfalls, die sind aber selten mit der Arbeit im Home-Office konfrontiert. Banker sollten unbedingt darauf achten, dass die Sakkos keinen abgetragenen Eindruck machen. Einem Sandler möchte man das Geld doch nicht anvertrauen.

Aber auch die Schminke und die Kameraführung sind zu beachten. Eigentlich sollte man das ganze doch professionalisieren und wenn es so weiter geht, dann wird es wohl unumgänglich sein, eigene Studios einzurichten. Mit Fernanleitungen also, mit Hilfe von Videos.

Aber eines sollte man jetzt schon beachten: in der Nähe der Wohnungstüre sollte ein adäquates Stück der Beinkleidung deponiert werden. Wenn der Postmann klingelt… Thomas Piketty vielleicht, oder sonst wer.

Ansonsten Kalsarikännd. Bis halt nach Corona.

© Wolfgang Ferdinand Vogel 05.04.2020

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