Heimfahrt

Wir steigen in den Mercedes-Bus. Carla setzt sich neben mich auf den Beifahrersitz. Ihr buntes gestreiftes Gewand strahlt etwas leicht verrücktes und fröhliches aus. Die holprige Straße lässt den Wagen auf und ab hüpfen. Carla erzählt mir von ihrer Familie. Ihre größte Lektion: die Akzeptanz. Inzwischen erfreut sie sich schlichtweg an allem, ganz gleich ob es eine Tankstelle oder ein Dornenbusch ist. Ich bewundere ihren Mut in dieses Hippie – Dorf eingezogen zu sein, nachdem sie eine Eingebung hatte. Manche Dinge kann unser Geist schlichtweg nicht verstehen, doch das Universum weiß warum und führt uns.

„Gib mir mal das Handy, falls meine Tochter anruft“, meint sie.

Ich gebe ihr das Handy und frage: „Ist sie glücklich, wo sie jetzt lebt?“

„Ja ich denke schon, doch sie werden bald umziehen. Sie wohnt bei einem See und dort ist es wunderschön. Davor hat sie in einem kleinem schönen Dorf gewohnt. Ich bin mir sicher es gefällt mir auch, wo sie jetzt hinziehen. Wenn man will, dass es einem gefällt, dann gefällt es einem überall.“ Sie lächelt.

Wir gleiten über die Straße, bis wir an unserem Zielort, einer kleinen Pilgerstadt ankommen.

„Magst du Geld für die Fahrt?“, fragt sie.

Ich schüttel den Kopf.

„Hab ich mir schon gedacht.“

Wir steigen aus und suchen die Bushaltestelle und übersehen sie natürlich. Doch schlussendlich finden wir sie und in weiterer Folge treffen wir ihre Tochter mit ihrem Freund und deren Baby. Ich sage kurz “Hallo“ und verabschiede mich. Es war eine kurze Begegnung, doch sie hat ihren Eindruck bei mir hinterlassen. Sie fahren los und ich schlendere durch die kleine Pilgerstadt und kaufe mir eine Kleinigkeit in der Bäckerei. Auf einer Bank lasse ich die Eindrücke auf mich wirken. Ich frage mich, wie es wohl sein wird, wieder in den Alltag zurückzukehren?

Ich fahre gemächlich los. Nach einer Weile halte ich bei einer Tankstelle. Marmorkuchen, Tee und anschließend Beatles – “Best of“- CD einlegen.

Die Sonne geht langsam unter und es ertönt “Here comes the sun“. Im Rückspiegel beobachte ich den Sonnenuntergang.

Bei “Octopus's Garden“ stelle ich mir vor wie die ganze Landschaft im Ozean versinkt. Die Bäume und Büsche werden zu Korallen und die Autos zu großen bunten Haifischen und Delfinen die über das Wasser gleiten. Jeder Fisch bleibt auf seiner Spur und folgt seiner Vorbestimmung. Manche gleiten schneller, manche langsamer, doch alle gleiten dahin. Aus meinem Mund blubbert es: “Let it be“.

© Wolfgang Viehberger