Bad hair days

Bad hair days. Normalerweise vermeide ich Anglizismen, weil die deutsche Sprache mir viele treffende Alternativen bietet.Hier musste ich passen.Drei Worte stehen da für den Alltagswahnsinn und die Möglichkeit darüber zu lachen, wenn auch am Rande der Hysterie.

Entgegen landläufiger Meinung ist es kein Zustand des weiblichen Geschlechts.

Meinen Mann ereilt er regelmäßig, sobald wir ein paar Wochen von der Heimat entfernt sind, und der Kurzhaarschnitt aus der Form gerät. Ich kenne etliche Paare, bei denen der Mann sich unterwegs vertrauensvoll in die Hände seiner Frau begibt, auf dass sie ihm die Haare kürze. Mein Mann begibt sich lieber in die Fänge von dubiosen Friseuren im jeweiligen Land. Sein Auswahlverfahren gleicht in meinen Augen russischem Roulette. Allein der Anblick von so manchem Handtuch, bewirkt auf meinem Kopf Juckreiz.

In Asien und Afrika scheint so ein europäisches blondes Haupt sowohl von der Haarbeschaffenheit als auch von den Gesichtskonturen immer auch ein Quäntchen Unsicherheit zu provozieren, was zu allerlei überraschenden Frisuren führte. Ich hatte dabei das Vergnügen als mehr oder minder stille Beobachterin diesen Sitzungen beizuwohnen.

Während einer eher übervorsichtig an dem blonden Haarschopf herumschnippelte, unschlüssig wie er ein paar widerspenstige Wirbel bändigen sollte, ging der andere sehr beherzt zu werke. Ich hatte fast den Eindruck, er hätte seine Lehrjahre bei der Schafschur absolviert. Ich behielt ihn während des Arbeitsvorgangs fest im Auge, aus einem Grund, von dem noch zu berichten sein wird.Vielleicht war es ja das, was den Friseur verunsicherte. Das Endergebnis ließ sehr zu wünschen übrig und wurde mit Gel fixiert. All das ertrug mein Mann fast stoisch, zumindest ließ er es sich vor Ort nicht anmerken, wenn das Ergebnis nicht wirklich seinen Vorstellungen entsprach. Hauptsache gekürzt - von einem Friseur !

Allein im Oman, wo die Männer toll gestylt und wohlduftend den Salons entschweben, waren wir uns bei seiner Auswahl einig.

Im Salon seiner Wahl sahen wir Charles Bronson bei der Arbeit, vielmehr ein jüngeres Double, in weißem Arbeitskittel.

Wir nahmen Platz. Mit Akribie bearbeitete er den Kunden vor uns. Gab der Frisur den letzten Schliff, rasierte den Nacken, massierte eine wohlriechende Lotion in die Haut ein. Ja, hier waren “wir” richtig. Es erfolgte eine kurze Instruktion die Länge betreffend. Mein Mann nahm Platz , ich widmete mich der mitgebrachten Lektüre, es würde ja dauern. Charles machte sich an die Arbeit. Ich hob kurz den Blick, nur um ihn sofort wieder irritiert zu senken.

Auf dem Hinterkopf zeichnete sich die Spur einer Haarschneidemaschine ab. Durch die raspelkurz getrimmten Resthaare schimmerte die Kopfhaut. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Frontpartie erreicht wäre.

Wir verließen den Salon wortkarg.

Bad hair days zeichneten sich lange nicht ab. Dennoch blieb Charles Bronson aus dem Oman bis heute positiv in unserer Erinnerung.

© Wortklauberin