Briefe aus dem Geisterhaus

Für einige Wochen war ich die alleinige Hausherrin. Mein Mann war mit einem Freund schon mal voraus gefahren - nach Indien. Ich hatte ein paar Projekte laufen und wollte mit dem Flugzeug nachkommen. Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, was da so alles auf mich zukommen würde, in der nur für mich angedachten Zeit. Vom ersten Tag seiner Abwesenheit an, traten kleine Probleme auf.Eines schönen Tages floss in der Dusche das Wasser nicht mehr ab, stattdessen stieg es an unerwünschten Stellen nach oben - die Hebepumpe funktionierte nicht mehr richtig. Der von mir kontaktierte Hausherr, weit entfernt vom heimischen Geschehen und schon ganz im indischen Gelassenheitsmodus, gab mir den Rat, den Behälter um die Pumpe, der ebenfalls voll Wasser stand, zu entleeren. Wie? Da brach die Verbindung ab.

Am Tag darauf die Aufarbeitung.

Lieber W.

wenn du diese Zeilen lesen kannst, sprich wieder Internet hast, würde ich Dir wirklich empfehlen, den nächstgelegenen Tempel aufzusuchen, egal welcher Ausrichtung er auch sein mag. Dort solltest Du ein Dankgebet sprechen, in das Du G., den Hilfsbereiten einschließt, der seine abfahrt bereite Familie sitzen ließ, um bei uns im Keller herum zu kriechen und als nächstes meinen Yogalehrer , der mich durch seine Anleitungen so gelenkig hält, dass ich das Wasser, 7,5 Putzeimer voll, herausschöpfen bzw. mit Putzlumpen absaugen, sowie mit einer kleinen Schaufel den nassen Schutt entfernen konnte. Für letzteres wäre eine Bitte um Schuldenerlass für Dich bei der jeweiligen Gottheit angebracht, denn auch Unterlassungssünden sind Sünden. In diesem Fall das Belassen von Schutt und anderen hineingefallenen Gegenständen in den Zwischenraum um die Pumpe.

Eigentlich habe ich eine Abmachung mit mir, nur noch meine eigenen Suppen auszulöffeln und bei Wiederholung der Angelegenheit werde ich auch einen Auslöffler kommen lassen, der dann der Angelegenheit wirklich auf den Grund gehen kann.

Als letztes käme dann vielleicht noch eine Bitte um Heilung meines Ellbogens, der durch irgendwelche scharfkantigen Teile an der Heizung arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wahrscheinlich hat sich dies aber auch schon erledigt, bis Du diese Zeilen liest, denn da vertraue ich mal auf meine zeitnah wirkenden Selbstheilungskräfte.

Ansonsten werde ich jetzt meine durch das Dreckwasser und den Schutt ein bisschen ramponierten Hände pflegen, damit sie heute Nachmittag nicht denen einer Putzfrau gleichen, wenn sie bei einer Verabredung zum Eisessen, den Löffel führen müssen.

Zuletzt würde ich Dich noch bitten, diese Deine(?) Geister, die mir hier im Haus immer wieder mit irgendwelchen Widrigkeiten zusetzen, ein bisschen zu zügeln.Während meiner absehbaren Anwesenheit werde ich allerdings den Kampf gegen sie mit aller mir zur Verfügung stehender Macht aufnehmen und auch nicht davor zurückschrecken massive schamanische Räucherrituale zu veranstalten.

Mit vielen Grüßen

die Zurückgebliebene

© Wortklauberin