Die Magie des Ankommens

Marrakech, auch so ein Name, mit dem viele den Zauber des Orients verbinden.Der große Schlemmer- und Gauklermarkt am Abend, der bunte Souk, Gartenanlagen, Museen und vieles mehr.

Wir sind auf der Rückreise. Nach vier Wochen Nomadentum in den Gebieten nahe der algerischen Grenze nun also wieder der Aufenthalt auf einem Campingplatz. Glücklicherweise gibt es hier mehrere schön angelegte Plätze mit viel Grün .

Wir haben die Oase von Zagora am frühen Vormittag verlassen, in Agdz ganz anständig gegessen und fahren dem Hohen Atlas entgegen. Leider ist der Himmel novembergrau, eigentlich eine Provokation Ende Februar. Auf 2260m erreichen wir die Passhöhe des Tizi-n-Tichka. Erste Schneeflocken umtanzen das Auto. Die Heizung läuft zum ersten Mal seit unserer Ankunft in Marokko. Weiter unten Schneeregen, eine endlose Baustelle. 360km bis Marrakech-mit einem Lkw und unter diesen Bedingungen-eine Tagesreise. Wir erreichen im strömenden Regen die Aussenbezirkevon Marrakech. Rechts und links steht bereits das Wasser auf Brachflächen, kleine schmutzige Seen lassen die Straße verschwinden. Sechs Kilometer vor dem Campingplatz reißen die Wolken auf. Wie schön! Dann wird es dunkel. Grade noch rechtzeitig, denke ich. Der Platz ist sehr gut belegt. Wir fahren die Wege entlang auf der Suche nach dem optimalen Platz im Minimalangebot. Mal zu kurz, mal zu eng oder eben sonst etwas.Schwierig, wenn man nicht mit einem VW Bus reist und der Fahrer sich nicht entscheiden kann. Die Suche hinterlässt langsam Spuren im aufgeweichten Untergrund der Fahrwege. Ich winde mich innerlich.Endlich d e r Platz. Ich atme auf. Oder vielleicht doch lieber der daneben. Wir parken um. Wegen mir hätte es nicht sein müssen.Ich verdrehe ich die Augen. Doch es ist egal, was die Frau denkt, wenn der Mann lenkt.Gardinen in parkierten Wohnmobilen geraten in Bewegung. Ein kleiner Busch, der liebevoll angelegten Bepflanzung, gerät fast unter die Räder. Ich habe die undankbare Aufgabe des Einweisens. Welche Frau dies je tun musste, kann ein Lied davon singen. Endlich die endgültige Position, doch die Stimmung ist im Eimer, von wegen Magie des Ankommens. Der Abend verläuft eher schweigsam.

Am nächsten Morgen weckt mich Vogelgezwitscher und die Geräuschkulisse der Frühstücksvorbereitungen. Gruß- und kusslos hat mein Mann das gemeinsame Lager verlassen. Immer noch grummelnd ziehe ich mir die Decke über die Ohren. Doch irgendwann muss ich wohl oder übel aufstehen. Ich schiebe mich am Mann vorbei ins Bad, mit gemischten Gefühlen und ohne weitere Worte. Er ist scheinbar voll mit dem Kaffeekochen beschäftigt. Als ich wieder auftauche, steht da einer, der mir ein freudiges Guten Morgen wünscht und mich küsst.

Draussen bei den Campern ist der verwüstete Fahrweg das Thema des Morgens. Wir sehen uns an und lachen. Gut, dass sie keine Spuren lesen können.

Plötzlichist sie da die Magie des Ankommens.

© Wortklauberin