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P wie PAKISTAN, ein erster Eindruck

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P wie PAKISTAN, ein erster Eindruck | story.one

Pakistan - ein Land, das bei uns eher durch Negativschlagzeilen präsent ist, von dem es keine aktuellen Reiseführer gibt und nur wenige Reiseberichte in den Foren. Nicht alles, was dort zu lesen ist, weckt Reiselust, speziell die vielen Militärkontrollen und das Fahren im bewachten Konvoi auf bestimmten Strecken - zu unserer Sicherheit.

Doch jenseits der ganzen schwarz weiß Malerei entsteht auch eine Ahnung von einem facettenreichen Land, das so vielseitig ist wie seine legendären Lkws bunt sind.

Der erste Eindruck.

Die Grenze zwischen China und Pakistan befindet sich auf 4700m Höhe am Kunjerab Pass. Wir durchfahren ein riesiges graues Tor und lassen die chinesischen Kontrollfreaks hinter uns.

Auf der anderen Seite nur ein über die Straße gespanntes Band, das eilig entfernt wird.

Dahinter empfangen uns pakistanische Touristen mit lauten " Welcome to Pakistan" Rufen.

Jeder möchte ein Bild mit uns machen, mit uns, den Exoten, die sich getraut haben, dem Negativimage durch ihren Besuch etwas entgegen zu setzen. Klar, dass wir den Wünschen nach einem Selfie bereitwillig entgegenkommen und damit in dutzenden Fotogalerien verewigt werden.

Die eigentliche Grenzabfertigung findet 80km weiter und auf verträglichen 2700 m Höhe statt. Welcome to Pakistan, ist auch hier das Erste, was wir zu hören bekommen.Ein Begrüßungstee beim Zoll, Geschenke von Händlern, winkende Hände.

Doch 200 Kilometer weiter steht "nieder mit Amerika" auf den Hauswänden. Zusammen mit der Frage, ob wir aus Amerika kommen, entsteht ganz schnell ein befremdliches Gefühl. Germany finden sie toll - aber es fragen uns ja nicht alle.

Hier ist es sicher, ist ein weiterer Spruch, den wir oft zu hören bekommen - zu oft. Wir sind im Bezirk Gilgit- Baltistan und nahe am indischen Teil von Kaschmir unterwegs. Seit langer Zeit schwelt hier der Konflikt um Kaschmir zwischen Pakistan und Indien.

Erst vor ein paar Wochen ist die Situation an der Grenze wieder eskaliert. Wir registrieren Truppenbewegungen, die wir nicht einordnen können, weil es in der Region nur so von Militär wimmelt.

Wir fühlen uns nicht unsicher, aber Anschäge und Entführungen sitzen im Hinterkopf.

So lauschen wir schon mal die halbe Nacht ins Dunkle, nachdem draussen Schüsse gefallen sind.

Am nächsten Morgen verdrängen wir den nächtlichen Vorfall zugunsten des Jetzt, angesichts der freundlichen Avancen, die von einer Einladung zum Tee und Essen hin bis zum Angebot zum Übernachten reichen.

Im quirligen Lahore suchen wir einen Übernachtungsplatz. Der bewachte Parkplatz eines großen Hotels erscheint günstig. Aus Sicherheitsgründen, so der deutsche Manager, kann es leider nicht sein.

So beziehen wir einen Platz neben einem Park, wo unseren Schlaf kein Wachdienst bewacht, sondern Allah und seine pakistanische Gefolgschaft, die uns bis jetzt nur in unermesslicher Gastfreundschaft begegnet ist.

Der erste Eindruck ist oft der, der zählt, aber der letzte ist der, der bleibt.

© Wortklauberin 16.10.2019

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