Reisewarnung

Das auswärtige Amt warnt vor erheblichen Anschlags- und Entführungsrisiken in der Sahelzone, vom Bereisen der Grenzregion mit Algerien wird grundsätzlich abgeraten, sowie vom Fahren jenseits befestigter Straßen, vor allem nachts. Mit dieser Information im Hinterkopf machen wir uns seit mehr als zehn Jahren im Winter auf, um mit unserem Fahrzeug eben jene Regionen zu erkunden, abseits von befestigten Straßen. Wir lassen uns nicht abschrecken, misstrauen all den Nachrichten in der Presse und im Netz, die Angst vor allem möglichen erzeugen sollen. Katastrophen bringen Quoten, Angst ist ein bewährtes Regulativ in der Politik und in der Wirtschaft. Nun also diese ganzen Warnungen vom Auswärtigen Amt. Das muss man doch ernst nehmen, dass ist doch eine offizielle Stelle, sagen Freunde und Verwandte. Zumindest diejenigen, die die ausgetretenen Pfade seltenst oder gar nicht verlassen. Wir können auch hier im bayrischen Paradies zur falschen Zeit am falschen Ort sein, erwidern wir und machen uns auf die Reise. Vieles ist uns über die Jahre vertraut geworden, dort, wo wir hin wollen. Die legendäre Gastfreundschaft in muslimischen Ländern haben wir mehr als einmal erfahren. Wir lieben es zudem allein zu reisen. Wir wollen ohne große Planung von Ort zu Ort ziehen, anhalten wo es uns gefällt, wenn es möglich ist. Wir sind autark, haben alles an Bord, vierzehn Tage in der Wüste, kein Problem. Campingplätze, sofern überhaupt vorhanden, sind für uns nur ein Boxenstopp, bevor es wieder auf die Piste geht. Schön, wenn wir Gleichgesinnte treffen, vielleicht sogar ein paar Tage zusammen verbringen, aber dann fahren wir wieder unserer Wege.

Wir sind unterwegs in Mauretanien. Auch so ein Staat, der sich westlichen Interessen widersetzt. 2007 ein Zwischenfall, bei dem vier Touristen ums Leben kamen. Für ausländische Mitarbeiter ist das Land in Bezirke aufgeteilt, deren Farbe von Rot über gelb nach grün aufgeteilt ist. Rot für no go. Wir wollen nach Chinguetti, einer alten Oasenstadt. Nahe Grenzen: Westsahara,Algerien,Mali. Rote Zone ganz klar. Entlang der Strecke jede Menge Militärposten. Jedesmal müssen wir einen Zettel abgeben, Personalien, Angaben über das Woher und Wohin. Die sogenannte Straße ist in einem miserablen Zustand. Wir werden unser Ziel wohl nicht mehr im Hellen erreichen. So biegen wir auf eine Piste ein und parken bei einer Baumgruppe. Nachts Motorengeräusche von mehreren Fahrzeugen, die nahe unserem anhalten, zu nahe. Ein Blick unter dem ein wenig hochgeschobebenem Rollo hinaus fällt auf zwei große Geländewagen, abgedunkelte Scheiben. Mehrere Männer sind ausgestiegen. Ruckartig schließen wir das Rollo. Klopfen an der Bordwand. Aufmachen,Polizei, mehr Befehl als Bitte. Unsere Gedanken überschlagen sich. Wir öffnen ein Fenster. Ob alles in Ordnung ist, will man wissen. Ja es ist alles in Ordnung. Dann gute Nacht, kommt es zurück.

Eine Notiz am Rande: Schweiz gibt Reisewarnung für Deutschland heraus.

© Wortklauberin