Süchtig

Heute Nacht träumte ich, dass ich meine traumhafte neue Unterwäsche mit dem 90° Grad Kochwäscheprogramm gewaschen hätte.......

Seit gut einer Woche sind wir zurück im Alltagsleben. Steine, Bilder und Erinnerungen im Gepäck und noch etwas, was ich von dieser Marokkoreise mitgebracht habe - einen Virus. Bei relativ gutem Internet hatte ich mich auf einer Plattform herumgetrieben, weil dort eine alte Leidenschaft von mir wiedererweckt worden war. Ich registrierte mich erst einmal passiv sozusagen und wechselte später in die Reihe der Aktiven, indem ich eigene Beiträge postete.

Jetzt türmt sich im Keller ein riesiger Wäscheberg, der abgetragen werden muss. Im Auto hat der Saharasand alle erdenklichen Ritzen ausgefüllt.Der helle Boden in der Wohnung präsentiert mir jede Wollmaus als persönliche Anklage und stiehlt mir meine Zeit durch die Aufforderung zum Staubsaugen. Daneben soll ich Einkaufen und Kochen. Allein der Garten schont mein schmales Zeitkontingent noch, weil es regnet.

Eigentlich ist diese Situation mehr oder weniger immer gleich, wenn wir zurückkommen. Mit Elan gehe ich dann an die Arbeit, um den Status quo in Sachen Ordnung wieder herzustellen. Jetzt geht mir alles eher zäh von der Hand. Ich unterbreche meine Tätigkeiten, um mich den Virus betreffend zu informieren. Hier ein paar Minuten, bis die Waschmaschine fertig ist oder ein paar Minuten länger, weil der Trockner hat ja auch noch kein Signal gegeben. Hat er nach einer Stunde, die eben mal so verstrichen ist, auch immer noch nicht, ich habe ihn nämlich gar nicht eingeschaltet.

Beim Bügeln fällt endlich der Zeitdruck von mir ab. Während die Hände die Arbeit erledigen, kann ich die verschiedensten Ideen verfolgen und diese zwischendurch ganz schnell notieren. Was für ein Glück, dass das Bügeleisen sich nach einer gewissen Zeit der Unbewegtheit von selbst in den elektrischen Ruhemodus versetzt.

Beim Kochen ist es schon nicht mehr so einfach den Gedanken nachzuhängen oder etwas Zeit zu schinden. Trotz Routine geschehen da diese kleinen Unachtsamkeiten mit großer Wirkung, wenn beim Salzstreuer die Öffnung für die Gabe ins Nudelwasser auf Groß gestellt wurde und so verblieb, was der Salatsauce dann gar nicht gut bekam, sprich alles auf Anfang zurück musste. Ganz zu schweigen von der Kochzeit auf dem Herd befindlicher Gerichte. Sobald ich auch nur für einen”Moment” die Küche verlasse, laufen dort die Vorgänge im Zeitraffer Modus ab. Wie gut, dass ich gut rieche.

Du musst mehr bei der Sache bleiben, mahne ich mich, während ich das Nudelwasser sich selbst überlasse. Aus den Augenwinkeln sehe ich oben in der Ecke eine Spinne selbstzufrieden wippen, als ob sie wüsste, dass ihr im Augenblick keine Gefahr von mir droht.

Mich hat eine Sucht nach Kurzgeschichten gepackt und auch danach, meine eigenen weiterzugeben - und wenn hier circa 2500 Zeichen erreicht sind, dann bringe ich die Spinne in den Garten und hoffe, dass das Nudelwasser noch nicht verdampft ist.

© Wortklauberin