Landung im Orient

Eines kann ich gleich mal sagen: Alle Sorgen und Befürchtungen waren umsonst. Die Reise in die Sahara war ein Hammer! Und jetzt? Jetzt hab ich Realitäts-Anpassungsstörungen. Ich war in einer Parallelwelt und jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, welche davon die richtige ist….

Doch alles der Reihe nach. Es fing an, wie jede Reise anfängt. Man hetzt zum Flughafen und spätestens dort fällt einem ein, was man alles vergessen hat. Aber schon der Flug hat einiges davon vergessen gemacht. Bei prächtigstem Wetter ging es über Kroatien, die italienische Küste und Sardinien. Dann kam der erste Eindruck der Wüste. Wir flogen über die algerische Sahara. Schon von oben hatte ich das Gefühl, gleich in ein ganz anderes Leben einzutauchen.

Nach etwa 4 Stunden Landung in Marrakech und anschließende Fahrt zum Riad in der Medina. Bis zum Riad kommt man mit dem Auto nicht, am Rande der Altstadt wird daher das Gepäck auf eine überdimensionale Scheibtruhe geladen und von einem Einheimischen bis zum Riad geschoben. Ein schräger Anblick. Bald lernte ich meine Reisebegleiter kennen: 8 Frauen, 2 Männer – wer hätte das gedacht? Gemeinsam ging es dann zum Place Jemâa el-Fna, dem berühmten Gauklerplatz. Noch war es hell und der Gauklerplatz wenig belebt. Wir entschieden uns für ein Lokal ums Eck, mit Dachterrasse und Blick auf den Platz. Dort fielen wir über die marokkanischen Köstlichkeiten her: Tajine, Pastilla, Couscous & Co. Eine Speise war köstlicher als die andere. Mit der Dämmerung füllte sich der Platz, der Zauber des Orients begann.

Trotz deutlicher Abkühlung beschlossen wir nach dem Essen noch eine Runde am Gauklerplatz zu drehen. Ich fühlte mich wie in einer Filmkulisse – im positiven Sinn. Da gab es Menschen in Kutten, die mich irgendwie an den Film „Der Name der Rose“ erinnerten, die Rufe des Muezzin – unsynchron und weniger melodisch als in Istanbul – aber dennoch beeindruckend. Einen Souk, aus dem ich allein wohl nie wieder hinausgefunden hätte, viele bunte Gewürzstände, Menschen, die Teekannen und andere Dinge verkauften, die mich an die Serie „Bezaubernde Jeannie“ erinnerten, Essensstände mit hartnäckigen Verkäufern. Nicht zu vergessen die Märchenerzähler, die Schlangenbeschwörer und die „Zauberer“. Ein kunterbunter, vielversprechender Mikrokosmus – ein bisschen aus der Zeit gefallen, zumindest für uns Mitteleuropäer. Mit diesem Eindruck ging ich schlafen und dachte darüber nach, wie es wohl am nächsten Abend sein würde: Der erste von sieben in der Wüste.

© Wüstenmädchen