Ich bleibe in der 3a!

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Ich bleibe in der 3a! | story.one

Als ich in die 3. Klasse Volksschule kam, ist meine Familie umgezogen, vom Dorf in die nächstgelegene Kleinstadt. So kam es, dass ich die Schule wechseln musste.

Ich war aufgeregt. Wie würde die neue Schule sein? Würde ich mich dort wohlfühlen und neue Freunde finden?

Ich wurde in ein mir völlig fremdes Klassenzimmer geführt, dort sah ich mich ein wenig verloren um und setzte mich schließlich an eine freie Bank. Ich sah keine bekannten Gesichter, außer einem Mädchen, das ich flüchtig kannte, da sie die Tochter von Bekannten meiner Eltern war, die mir allerdings nicht sonderlich sympathisch war.

Mein Blick wanderte suchend nach draußen, auf den Flur, gerade als Thomas, mein Cousin, verbeischlenderte. Ach ja, Thomas! Wir sind gleich alt, und er ging auch hier zur Schule.

Unversehens sprang ich auf, um ihm zu folgen. Er steuerte geradewegs auf die Parallelklasse zu, ich ging ihm hinterher und setzte mich einfach neben ihn. In einer Art stillen Protestes hatte ich beschlossen, nicht der 3b, sondern der 3a anzugehören. Ich blieb also auf dem von mir erwählten Platz sitzen und es hätten mich keine zehn Pferde dazu bewegen können, diesen wieder zu verlassen. Thomas schämte sich entsetzlich für mich, aber letztendlich hatte sich mein Starrsinn gelohnt, ich durfte in der Klasse bleiben!

Auch später hatte mein Cousin immer wieder Gelegenheit, den Kopf über seine Cousine zu schütteln, wie zum Beispiel, als ich beim Plural-Bilden ganz selbstverständlich “das Vieh – die Viecher” zum Besten gab! Eine Episode, die noch heute, also mehr als 40 Jahre später, bei Familienfeiern gern zutage tritt!

Schöne Jahre waren es auf alle Fälle in dieser Klasse, in der ich auch meine beste Freundin kennen lernte, ein damals sehr schüchternes und unauffälliges Mädchen, mit dem ich mich aufgrund seiner großen Katzenliebe prompt identifizierte, wobei ich nach mehrmaliger Ablehnung meines Vorschlags, uns mal in der Freizeit zu treffen, eines Nachmittags einfach vor dessen Haustür vorstellig wurde. Zu einem Zeitpunkt, an dem meine Katzenfreundin allerdings gerade nicht zu Hause war und ich von ihrer Mutter sogleich zu frischgebackenen Mohnkräpfchen eingeladen wurde! So frech bin ich nun schon lange nicht mehr, aber die Freundschaft von damals ist trotz späterer Entfernung über eine Staatsgrenze hinaus stets erhalten geblieben!

© Yleven 22.09.2019