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#menschenliebe#diagosemensch

Gehirnstrommessung und Ö1

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Gehirnstrommessung und Ö1 | story.one

7:30 Uhr. Ein nebliger Novembertag, dunkel und grau. An Krankenhauskontrolltermine hatte ich mich noch nicht gewöhnt. Ich war noch immer müde. Auf dem Plan stand ein EEG. So trottete ich langsam durch den Nebel und danach durch die Krankenhausgänge auf die Ambulanz. Sitzend und mit nervös wackelnden Füßen wartete ich. Ein älterer Mann mit stoppeligen, weiß-grauen Harren im Pflegerkostüm huschte an mir vorbei und verschwand murmelnd hinter einer der Türen: „Grüß Gott. Bin’s gleich!“

Ich besah mir die Tür genauer, hinter der er verschwunden war. Daran war ein Schild angebracht. EEG. Bitte nicht stören oder anklopfen. Meine Füße unterbrachen das Gewackel kurz. Spannend. Ein kleiner Mann in Pflegermontur. Wenige Minuten später ging die Tür wieder auf und ich betrat das Zimmer.

„Ich bin der H. Des mit dem Siezen mag i ned so. Wenn’s dich nicht stört.“

Breit grinsend nahm ich das Angebot an, nahm Platz und H begann die Elektroden an meinem Kopf zu befestigen. Fertig geschmückt mit zu Berge stehenden Haaren, dem lustigen Häubchen am Kopf und einer Unmenge an Kabeln, die davon wegführten, lag ich zugedeckt auf einer gemütlichen Liege, während die Kontakte durchgetestet wurden.

H: „Stört’s dich eh ned, wenn ich Ö1 laufen lass? Ihr jungen Leut hört’s ja eher Ö3 oder so.“

Ich: „Ö1 passt scho. Wenn ich Radio hör, dann im Auto. Da läuft aber FM4.“

H: „Na, des is ned so meins.“

Ich: „Macht nix. Das, was ich sonst hör, wirst eh nicht im Radio finden.“, schmunzelte ich.

H: „Was hörst denn sonst so?“

Ich: „Bin mehr so der Metal Fan.“

H: „Na, damit kann i gar nix anfangen“

Ich, beinahe kichernd: „Dacht ich mir schon.“

Zufriedengestellt mit meinen Antworten begann die Messung meiner Gehirnströme. Ich führte brav die Anweisungen durch. Tief atmen, schneller atmen, Achtung Blitzlicht, schneller werdendes Blitzlicht und wieder entspannen. Am Ende hatten mich klassische Musik, Atemanweisungen, Lichtblitze und die warme, weiche Decke, in die er mich gehüllte hatte, so sehr eingelullt, dass ich begann einzudösen.

H: „Kannst die Augen wieder aufmachen. Wir sind fertig.“

Ich, seufzend: „Schad, war grad so angenehm.“

H, breit grinsend: „Ja, hab scho gsehen, dass du jetzt beinahe eingschlafen wärst. Do ganz angenehm der Ö1, ned woahr.“

© Zeitreisende 2020-11-21

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