Leidenschaft im Ohr

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Leidenschaft im Ohr | story.one

Gefühlt seit Stunden höre ich das Bolzen und Lärmen der Bohrmaschine im Stahlbeton. Ist es ein neuer Nachbar oder einer der anderen über uns, der die Wände unterschätzt hat? Es ist kein angenehmer Lärm. Ich spüre, dass sich meine Nerven langsam bis zum Zerreißen spannen. Schimpfend laufe ich in unserer Wohnung auf und ab. Dann höre ich, wie am Gang eine Tür zugeschlagen wird. Ein anderer Nachbar, der es nicht mehr aushält. Das Bohren wird leiser, setzt für wunderbare 15 Minuten aus, bevor es wieder von vorne beginnt. Keine Nachricht hatte uns darüber informiert, dass es in den nächsten Tagen mal lauter werden könnte. Muss wohl wirklich jemand neues sein?

Um nicht ebenfalls aus der Wohnung zu stürzen und um meine Nerven zu beruhigen, suche ich nach meinen Kopfhörern. Elektirsche Gitarren, lauter Bass, rythmisches, dazu passendes Schlagzeug, dunkle Textzeilen. Langsam beginnen sich meine angespannten Nerven zu entspannen. Die Musik in meinem Kopf übertönt das laute Bohren.

In einer Doku meinte Lemmy, dass die Musik und die Band oder die Künstler, die du in deiner Pubertät hörst und verehrst, dir ewig im Gedächtnis bleiben. Er meinte darin auch: „Besser als das wird’s nicht.“ Und er hatte recht. Lemmy meinte damit die Beatles, ich greife zu Oomph! Ich muss daran denken, dass meine Freunde und Mitschüler mit 13 ihre Zimmer mit Postern von US5, Tokio Hotel oder One Republic tapeziert haben. In meinem Zimmer hing dagegen nur ein einziges Poster. Ich lächle, weil ich weiß, dass dieses Poster irgendwo bei meinen Eltern immer noch liegt.

Oomph! Die Band ist in etwa so alt wie ich es bin, sogar ein wenig älter. Mit 15 träumte ich davon irgendwann mal diese Band live zu sehen und glaubte nicht daran. 10 Jahre später ging dieser Traum in Erfüllung. Ich lächle wieder. Spüre wie mich die Energie der Musik durchströmt.

Land in Sicht - Die Bohrmaschine höre ich schon lange nicht mehr.

Die Hölle kann warten - Nicht einmal mehr als Hintergrundrauschen ist die Maschine zu hören. Ich sitze ruhig lächelnd da. Erinnerungen um Erinnerung taucht vor meinem inneren Auge auf.

Du willst es doch auch - Die Erinnerung daran ist wie Mediation.

Unzerstörbar - In meiner Erinnerung springe ich auf und ab. Im Backstage in München. Jede Textzeile mitsingend. Ich lächle immer noch. Immer noch diese Leidenschaft für die Musik. Besser wird's wirklich nicht.

© Zeitreisende