Bergluft

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Bergluft | story.one

Welches Glück haben wir Österreicher, in solch einer wunderbaren und auch gesunden Landschaft leben zu können. Die Berge sind für alle so nah!

Vorige Woche verbrachten wir einige Tage in der schönen Gegend am Fuß des Göllers im südwestlichen Niederösterreich. Dort haben wir einige Wanderungen gemacht und die Natur, die Ruhe genossen. Es ging uns nicht darum, einen Gipfel zu stürmen oder mit einer Seilbahn hoch hinauf zu gelangen und in einer Hütte einzukehren.

Wir sind vom Tal weg eine ruhige Forststraße in den endlos tiefen Wald hinein gewandert. Zuerst hat uns das kleine glucksende Bächlein begleitet, unermüdlich springt das klare Wasser über die bunten Steine. Weiter oben mit einem etwas rascheren Puls und tiefen Atemzügen haben wir unsere Lungen mit der reinen, erfrischenden Bergluft gefüllt. Eine besondere Luft! Die riesigen Fichten spenden Schatten und Kühle auch an den heißen Juli Sommertagen.

Am Wegrand finden wir häufig reife süße Walderdbeeren - ein Genuss! Später im Sommer könnte man saftige Schwarzbeeren brocken oder bei den roten Himbeeren naschen. So macht das Wandern im Gebirgswald noch mehr Spaß!

Eine Ruhe umgibt uns! Nur das leise Rauschen der Nadelbäume, das dumpfe Brummen einiger Insekten und das helle, fröhliche Zwitschern verschiedener Vögel sind zu hören. Keine Autos, keine Handys, keine Menschen!

Immer wieder gleitet der Blick über den grünen Waldteppich. Bei genauerem Betrachten erkennt man die verschiedensten Blattformen der vielfältigen Flora: Klee, Schneerosen, Storchschnabel, Germer, Farne, Fingerhut... Kein Blatt gleicht dem anderen, alle Pflanzenarten wachsen nebeneinander und ergeben trotz vieler Unterschiede eine Einheit. Über diesem grünen Boden ragen die gelben Blüten der Trollblume, der Goldrute, des Ochsenauges... heraus. Unzählige weiße und lila Blütenstände des Knabenkrautes haben uns sehr erfreut. Die zarten Blüten und Samenstände der feinen Gräser schwingen sanft im Lüftchen, das ständig durch den Wald rauscht. Dazwischen gaukeln lautlos bunte Schmetterlinge von einer Blüte zur nächsten. Genauso emsig laufen und arbeiten die großen Waldameisen am Boden, die hier und da unseren Weg kreuzen. Nicht so schnell sind andere Käfer unterwegs.

So wandern wir weiter den steinigen Weg, der durch die starken Wassermassen nach der Schneeschmelze im Frühjahr ganz ausgewaschen ist. Öfters machen wir Rast und setzen uns auf einen gefällten Baumstamm. Diese Stille - jeder sollte immer wieder einige solche Stunden der Ruhe, ein Entrücktsein vom Alltag, ohne den Alarm von Medien erleben dürfen. In den Bergen, in den einsamen Wäldern ist solch eine Auszeit für jeden immer und auch kostenlos möglich.

Irgendwann drehen wir um und betrachten unseren Weg nun von der anderen Seite.

Am Abend wurden wir sogar noch zu einer Party eingeladen! Viele kleine Glühwürmchen haben uns mit ihrem beleuchteten Ballett umschwirrt und uns sehr erfreut!

© zenzi