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#wende#rumÀnien#osten

Brieffreundschaften

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Brieffreundschaften | story.one

Nach der Matura 1974 in einer kleinen Stadt kam ich zum Studium nach Wien. Dort hat sich eine neue, spannende Welt eröffnet. Aber auch die Stadt wurde mir gedanklich bald zu klein und ich streckte meine FĂŒhler nach Europa aus. So hörte ich ĂŒber Mittelwelle auslĂ€ndische Radiosender ab. Viele verschiedene Programme speziell aus dem Osten konnte ich empfangen. Anschließend schrieb ich diesen Rundfunkstationen, dass ich ihr Programm mehr oder weniger gut in Wien hören konnte. Als Dank bekam ich von der Rundfunkanstalt eine bunte originelle BestĂ€tigungskarte. Das war immer eine Überraschung und Freude fĂŒr mich - ich war ganz stolz.

Dies war aber nicht meine einzige Post aus dem Ausland. Ich korrespondierte mit einigen Brieffreunden aus Ostdeutschland und einem MĂ€dchen aus RumĂ€nien. Mit Gerhild verstand ich mich sehr gut, wir tauschten viele Studienerlebnisse, familiĂ€re Ereignisse, Jugendprobleme aus. Aber es gab doch sehr viele gesellschaftliche Unterschiede. Diese lernte ich auch kennen, als ich Gerhild und ihre nette Familie einmal in einem Sommer in RumĂ€nien besuchte. Sie durfte ja nicht aus RumĂ€nien ausreisen, ein Eingeschlossensein, das sehr schmerzlich fĂŒr sie war. Unvergesslich ist mir die Angst der Familie, als ich in der Nacht dort ankam und bis zum Morgengrauen in ihrer Wohnung schlief. Ganz leise, kein Nachbar durfte uns sehen oder hören. Die restlichen NĂ€chte verbrachte ich im Hotel. Die Familie zeigte mir viele schöne PlĂ€tze von ihrem Land. Bei einem Ausflug freute sich der Vater riesig, als er in einem GeschĂ€ft nach langem Anstellen Fleisch einkaufen konnte. Er war ganz stolz auf diesen Schatz. Ja, die SupermĂ€rkte waren wirklich fast leer, nur von manchen Sachen gabs unendlich viel. Die Auswahl war sehr bescheiden, doch die Menschen waren einigermaßen zufrieden. Nur Gerhild wollte ein anderes Leben, als in dieser Enge und Unfreiheit. So bewarb sie sich als Reiseleiterin, die ja in jedem auslĂ€ndischen Bus anwesend sein musste. Da verliebte sie sich in einen deutschen Burschen. Das Chemiestudium schloss sie als 3. beste ihres Jahrgangs ab, aber sie durfte sich keine gute Arbeitsstelle aussuchen, weil sie ja mit einem deutschen Mann liiert war - das war ein Schock fĂŒr sie, als ihr der letzte, unattraktivste Job zugewiesen wurde! Einzige Möglichkeit - eine Heirat und Auswandern nach Deutschland! Dort haben wir sie einmal besucht.

Mit Horst aus Chemnitz schrieb ich lange Zeit, er war sehr kritisch eingestellt, sein Highlight war immer der Sommerurlaub am Plattensee. Auch im Sommer 1989 und dies hat er gleich genĂŒtzt, um sich ĂŒber Ungarn in den Westen abzusetzen - seitdem ist kein Brief mehr von ihm bei mir angekommen. Ganz anders war die Brieffreundschaft mit Anke. Sie hat mich immer wieder bedauert und Pakete in den "armen Westen" geschickt: Spielzeug, Kleidung und BĂŒcher fĂŒr meine "bedĂŒrftigen" Kinder.

Nun kann ich meinen Enkeln vorlesen:

"Kreisel, Kreisel! Seht nur an,

wie er so schön tanzen kann..."

© zenzi 2019-05-01

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