Gut leben mit Demenz

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Gut leben mit Demenz | story.one

An diesem Wochenende fanden die Aktionstage " Gut leben mit Demenz" in Klosterneuburg statt. Seit 2017 vergrößert sich das von der Caritas initiierte Netzwerk für eine Unterstützung von pflegenden Angehörigen und an Demenz erkrankten Menschen. Ziel dieser Aktion soll ein willkommener und wertschätzender Umgang dieser Menschen auf Ämtern, im öffentlichen Raum, in Geschäften... sein.

An den Aktionstagen gab es viele Informationen zum Thema Demenz, praktische Hilfestellungen, Mitmachstationen, Filme...Unsere Apotheke hat sich gerne beteiligt. Da die Kunden von 15 bis 95 Jahre alt sind, haben wir ein Angebot für alle Altersgruppen bereitgestellt.

Im Gehirn finden schon 20 Jahre vor den ersten Anzeichen von krankhafter Vergesslichkeit Veränderungen statt. Jeder Mensch kann Vorsorge ergreifen, um diese Krankheit hinauszuschieben, zu verzögern. Niemand kennt seine Zukunft.

Wir haben in der Apotheke Angebote von Nahrungsergänzungen, z. B. B-Vitamine, Radikalfänger, Curcuma im Curry - in Indien leben statistisch gesehen die wenigsten Menschen mit einer Demenzerkrankung. Außerdem stellte ich ein Rätselheft zusammen als geistige Beschäftigung für zu Hause. Neugierig sein, phantasievolles Denken in allen Richtungen, Neues ausprobieren, kreativ sein, musizieren - alles gute Maßnahmen, ein geistig aktives Gehirn zu erhalten.

Deshalb stellte ich auch ein Keybord auf, um mit den Kunden, die schon lange nicht oder noch nie Klavier gespielt haben, eine lustige Melodie erklingen zu lassen: Miteinander - es hat allen viel Spaß gemacht. Alle Apothekenbesucher haben wir zu einer Wörterschlange eingeladen. Das Ausgangswort lautete bei jedem neuen Blatt "Demenztag", dann folgte einmal "Tagesschlaf - Schlafpolster - Polsterbett - bis zur Bodenvase oder zum Burgfräulein". Die Blätter wurden sehr bunt - sprachlich, aber auch mit vielen individuellen Handschriften. Nur wenige Kunden lehnten es ab, mitzudenken. Manchen fiel spontan nichts ein, aber ein Mann kehrte nach einigen Minuten wieder zurück und freute sich, dass er nun ein passendes Wort dazuschreiben konnte. Eine Frau kam sogar öfter, damit sie jedes Mal neu mitraten konnte.

Den Abschluss dieser Aktionstage bildete ein generationenverbindender Gottesdienst in der Lourdes-Grotte im Wienerwald. Wir haben diese besinnliche Messe mit unserem 2 jährigen Enkel mitgefeiert.

Mir ist in diesen letzten Tagen aufgefallen, dass das Wort"Demenz" nicht mehr abwertend ausgesprochen, beiseite geschoben wurde. Bei Einladungen zu Vorträgen vor fünf Jahren hörte ich noch Aussprüche wie "Ich will nichts mit den Depperten zu tun haben" oder " Es betrifft mich nicht, meine demente Tante ist schon gestorben". Solches Gerede hörte ich jetzt nicht mehr. Eigentlich war jeder Kunde aufgeschlossen und auch bereit, über diese Erkrankung zu sprechen und sich bewusst zu machen, dass er auch davon betroffen sein könnte, aber Vorsorge sinnvoll und möglich ist.

© zenzi 26.05.2019